US-Demokraten Joe Biden soll Parteikollegin gegen deren Willen geküsst haben

Ex-Vizepräsident Joe Biden muss sich dem Vorwurf stellen, eine Parteikollegin auf den Hinterkopf geküsst haben. Er wolle voller Respekt zuhören, sagte Biden, falls er sich falsch verhalten habe.

Früherer Vize-Präsident Joe Biden
REUTERS

Früherer Vize-Präsident Joe Biden


Er gilt als möglicher Kandidat der US-Demokraten für das Präsidentschaftsamt - doch nun sieht sich Joe Biden mit Vorwürfen einer Parteikollegin konfrontiert. Er soll sie ohne Erlaubnis auf den Hinterkopf geküsst haben. Biden erklärte, er glaube nicht, dass er sich unangemessen verhalten habe. Falls er dies getan habe, wolle er voller Respekt zuhören.

Die Demokratin Lucy Flores hatte in einem Beitrag für die Webseite "The Cut" erklärt, Biden habe sich bei einem ihrer Wahlkampfauftritte im Rahmen ihrer Kandidatur für das Amt der Vize-Gouverneurin in Nevada im Jahr 2014 von hinten genähert, an ihrem Haar gerochen und ihr einen Kuss auf den Hinterkopf gegeben. Flores erklärte, es sei sicher nicht ungesetzlich gewesen, was Biden getan habe. Sie wollte aber auf das Verhalten des damaligen Vizepräsidenten aufmerksam machen.

Biden: "Nie, hätte ich gedacht, unangemessen zu handeln"

Biden war von 2009 bis 2017 Stellvertreter des damaligen US-Präsidenten Barack Obama. In diesen Tagen muss er sich entscheiden, ob er als Präsidentschaftskandidat für die Demokraten im Wahlkampf 2020 antreten will. In den Umfragen liegt er zum Teil deutlich vor seinen Parteikollegen. Die Vorwahlen, bei denen die Partei ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten für die eigentliche Wahl im November 2020 aussiebt, beginnen Anfang 2019. Mehr als ein Dutzend Bewerber haben bereits ihre Kandidatur verkündet. Darunter besonders viele Frauen, wie die Senatorinnen Kirsten Gillibrand und Elisabeth Warren.

Der 76-Jährige äußerte sich am Sonntag in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen: "In meinen vielen Jahren im Wahlkampf und im öffentlichen Leben habe ich unzählige Handschläge ausgetauscht, Umarmungen, Sympathiebekundungen, Unterstützung und Trost. Nicht einmal, nie, hätte ich gedacht, unangemessen zu handeln", heißt es darin.

Republikaner schlachten Vorwurf aus

Das Umfeld des republikanischen Präsidenten Donald Trump schlachtete den Vorwurf sogleich politisch gegen Biden aus. Trumps Beraterin Kellyanne Conway sagte dem Sender Fox News, es sei "ziemlich mutig", dass Flores Vorwürfe gegen die höchste Ebene ihrer eigenen Partei erhebe. Conway erklärte, Biden habe ein "großes" Problem. Er spreche von Handschlägen, seine Partei dagegen halte sein Verhalten für "komplett unangebracht". Sie legte zudem nahe, dass Biden sich mehrfach unangemessen verhalten habe.

Frauen nehmen Biden in Schutz

Biden erhielt am Wochenende Unterstützung von mehreren Frauen, darunter Stephanie Carter, der Ehefrau des ehemaligen US-Verteidigungsministers Ashton Carter. Vor dessen Vereidigungszeremonie im Jahr 2015 hatten Bilder für Wirbel gesorgt, die zeigen, wie Biden seine Hände auf Stephanie Carters Schultern gelegt hat und sein Kopf sehr nah an ihrem ist. Carter erklärte, die Aufnahmen seien "irreführend" und aus dem Kontext gerissen. Sie sei an dem Tag gestürzt und nervös gewesen, Biden habe ihr helfen wollen.

mfh/dpa



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