Ex-Unterhauspräsident Bercow "Brexit ist der größte Fehler seit dem Krieg"

Ex-Unterhauspräsident Bercow verhinderte mehrmals den harten Brexit-Kurs des Premiers - musste dabei aber neutral bleiben. Nun verurteilte er den geplanten Austritt des Königreichs aus der EU scharf.

John Bercow muss nicht länger unparteiisch sein
DPA / Stefan Rousseau

John Bercow muss nicht länger unparteiisch sein


Als Präsident des britischen Unterhauses durfte er keine Meinung äußern - jetzt, nach dem Ende seiner Amtszeit, hat John Bercow den geplanten EU-Austritt des Vereinigten Königreichs scharf verurteilt. "Ich denke, dass der Brexit der größte außenpolitische Fehler in der Nachkriegszeit ist, und das ist meine ehrliche Meinung", sagte er am Mittwoch vor Journalisten in London.

Bercow sagte, der Brexit werde sich nicht positiv auf das internationale Ansehen Großbritanniens auswirken. "Meine ehrliche Antwort ist, dass ich nicht denke, dass dies dem Vereinigten Königreich hilft."

Während seiner Amtszeit als Speaker des Parlaments hatte Bercow mehrmals außerplanmäßige Debatten zugelassen und so unter anderem das Gesetz ermöglicht, das Boris Johnson zwang, in Brüssel eine Verschiebung des Brexits zu beantragen. Er betonte jedoch, dass er sich stets neutral verhalten und auch die Brexit-Befürworter fair behandelt habe. Er respektiere, dass der Premierminister versucht habe, eine Mehrheit für seinen Brexit-Deal zu bekommen.

Vor allem Brexit-Hardliner hatten dem 56-Jährigen allerdings vorgeworfen, sich parteiisch zu verhalten. Er rechtfertigte seine Entscheidungen als Mittel gegen einen autoritären Regierungsstil.

Bercow hatte das Amt des "Speaker of the House of Commons" zehn Jahre inne. Am Montag wurde der Labour-Politiker Lindsay Hoyle zu seinem Nachfolger gewählt.

ire/dpa



insgesamt 26 Beiträge
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thrust26 06.11.2019
1. Ein Wunder
dass Johnson ihn nicht auch aus der Partei geschmissen hat.
hoamsasenf 06.11.2019
2. !!!
BERCOW FOR PRIME MINISTER !!!
Heinrich Peter Maria Radojewski Schäfer von Leverkusen 06.11.2019
3. Dem ironischen englischen Humor des Mr. Speaker eine Träne nachweinen
Man kann sich eine echte Träne nicht verkneifen. Eine wahre Freude für die Seele war dieser Mensch als Mr. Speaker des Unterhauses. Eine Brillanz gepaart mit der Schärfe des unbeugsamen Intellektes und der Fähigkeit zu Anwendung des feinen, auch oft ironischen englischen Humors.
maltyx 06.11.2019
4. Logisch...
...ist Bercow gegen einen Brexit. Der Mann ist doch nicht bekloppt.
pkfischer 06.11.2019
5. Völlig überschätzter Mann
Der Mann wurde die letzten Wochen gehyped, weil es in die politische Agenda auf dem Festland gepasst hat. Davor hat ihn kaum einer gekannt. Bei den Wahlen seiner Nachfolger wurde in deren Reden dann auch, zwar britisch dezent, aber gleichwohl ungewöhnlich deutlich, mit dem Selbstdarsteller abgerechnet.
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