Donald Trumps nächster Sicherheitsberater Jasager gesucht

Der Abgang von Donald Trumps Sicherheitsberater John Bolton befeuert in Washington die Personalspekulationen. Auch Richard Grenell, der hochumstrittene US-Botschafter in Berlin, ist als Nachfolger im Gespräch.

US-Präsident Trump: Wer berät ihn künftig - und will er überhaupt zuhören?
Nicholas Kamm/ AFP

US-Präsident Trump: Wer berät ihn künftig - und will er überhaupt zuhören?

Von , Washington


Es ist einer der wichtigsten Posten in der US-Regierung. Der Nationale Sicherheitsberater des Präsidenten koordiniert die Arbeit des Außenministeriums, des Pentagons und der Geheimdienste. Bei ihm fließen alle wichtigen Informationen zusammen, die ein Präsident braucht, um Entscheidungen zu treffen. Er ist der wichtigste Berater des "Commander-in-Chief".

So war es zumindest früher. Im Weißen Haus von Donald Trump berät sich der Präsident in kniffligen Fragen nach bisheriger Erfahrung am liebsten nur mit einer Person - mit sich selbst. (Mehr zu den Folgen von Boltons Abgang für Trumps Außenpolitik lesen Sie hier.)

Diese Besonderheit wurde auch John Bolton zum Verhängnis, von dem sich Trump nach nur 17 Monaten im Streit getrennt hat. Bolton war nach Michael Flynn und H. R. McMaster Trumps dritter Sicherheitsberater.

Im Video: Trump feuert Sicherheitsberater Bolton

Carlos Barria/ REUTERS

Nun sucht der Präsident einen Nachfolger, was keine leichte Aufgabe sein dürfte. Hochkarätige Kandidaten werden sich genau überlegen, ob sie sich den Höllenritt im Weißen Haus antun wollen. Der Umgang Trumps mit Bolton und dessen beiden Vorgängern zeigt, dass die Position in dieser Regierung an Bedeutung verloren hat. Wenn der Präsident ohnehin macht, was er will, wozu braucht er dann Berater?

H. R. McMaster - derzeit Generalleutnant a.D.
Yuri Gripas/ REUTERS

H. R. McMaster - derzeit Generalleutnant a.D.

In der kommenden Woche will Trump den Nachfolger oder die Nachfolgerin vorstellen. Einige Namen werden gehandelt. Zum Beispiel der des früheren Sicherheitsberaters H. R. McMaster, der von Trump geschasst wurde, nun aber angeblich wieder hoch im Kurs stehen soll. US-Medien berichten, der Präsident schätze ihn sehr.

Zudem sind viele Diplomaten aus dem Haus von Außenminister Mike Pompeo im Gespräch. Der dürfte bei der Nachbesetzung versuchen, seinen Einfluss geltend zu machen. Mit Bolton kam er gar nicht klar, ein Kandidat aus den eigenen Reihen würde ihm da gut passen. Es macht die künftige Zusammenarbeit leichter.

Richard Allen Grenell - derzeit Botschafter in Berlin
DPA

Richard Allen Grenell - derzeit Botschafter in Berlin

Mit auf der inoffiziellen Liste möglicher Bolton-Nachfolger: Richard Grenell, der US-Botschafter in Deutschland. Er wurde bereits als möglicher Uno-Botschafter genannt, als der Job unlängst frei wurde. Den Posten bekam dann aber Kelly Knight Craft, die Frau eines vermögenden Trump-Unterstützers aus Kentucky. Grenell als Sicherheitsberater hätte für Trump den Vorzug, dass er voll hinter der Agenda des Präsidenten steht. Von Grenell hätte der Präsident wohl kaum viel Widerspruch zu erwarten.

Der Botschafter galt zwar einst als Zögling des geschassten Bolton, doch inzwischen hat er sich freigeschwommen. Er hat eigene Drähte in den Trump-Kosmos aufgebaut. Grenells Nachteil: Aus Sicht der Trump-Leute macht er in Deutschland mit seinem kämpferischen Stil einen guten Job, seine Auswechslung würde den Posten des Botschafters erneut für mehrere Monate verwaist lassen. In der Berliner Regierung würde man ihm derweil wohl kaum nachtrauern.

Brian Hook - derzeit zuständig für die Iran-Verhandlungen
Shawn Thew/ EPA-EFE/ REX

Brian Hook - derzeit zuständig für die Iran-Verhandlungen

Ebenfalls genannt wird Brian Hook, der Sonderbeauftragte der US-Regierung für Iran. Hook, ein Anwalt, ist ein erfahrener Verhandler, der sein Handwerk versteht und eine eigene Meinung hat. Das dürfte gegen ihn sprechen. Im Kandidatenrennen hat er zudem keinen guten Start erwischt. Ausgerechnet Tucker Carlson, einer der Lieblingsmoderatoren des Präsidenten bei "Fox News", holte in seiner Sendung zu einem Rundumschlag gegen Hook aus, warf ihm vor, illoyal zu sein. Er habe Trumps Außenpolitik kritisiert und soll sogar vor fremden Diplomaten über den Präsidenten gelästert haben, so Carlson. In Washington wird der Carlson-Beitrag als "Kiss of death", als Todeskuss für Hook gesehen.

Aktuell amtiert als Sicherheitsberater Boltons bisheriger Stellvertreter Charles Kupperman. Auch sein Name wird gehandelt, allerdings könnte er als alter Bolton-Vertrauter verbrannt sein.

Das eröffnet Chancen für andere Kandidaten. Einer davon: Stephen Biegun. Der Diplomat kümmert sich im Außenministerium derzeit um Nordkorea und ist dem Präsidenten deshalb vertraut. Oder auch Douglas Macgregor, ein pensionierter Armeeoffizier, der regelmäßig bei "Fox News" zu Außen- und Sicherheitspolitik spricht. Wie es der Zufall will, ist er vor allem Gast in der Sendung von Tucker Carlson (siehe oben). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Stephen Biegun - derzeit zuständig für die Verhandlungen mit Nordkorea
Ed Jones/ DPA

Stephen Biegun - derzeit zuständig für die Verhandlungen mit Nordkorea

Wie auch immer sich Trump am Ende entscheidet: Kaum jemand rechnet damit, dass sich an der Außenpolitik des Präsidenten in den kommenden Monaten viel ändern wird. Trump folgt vor allem seinem Instinkt. Er will Probleme mit einer Mischung aus Druck und "Deals" lösen.

Viel erreicht hat er mit dieser Taktik bislang nicht. Sowohl bei Nordkorea, als auch im Fall Iran oder beim Afghanistankrieg geht es kaum voran. Wie schon seine Vorgänger kämpft Trump mit den Realitäten: Amerikas Gegner und Rivalen sind knallharte Verhandler, die ihre eigenen Interessen verfolgen und wenig Lust haben, vor ihm einzuknicken. Den Schmerz amerikanischer Sanktionen ertragen sie stoisch. Sie hoffen schlicht auf Trumps Abwahl.

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Prominente Abgänge der Trump-Regierung: Und raus bist du


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senapis 11.09.2019
1. Ein Stellenangebot
von solch einem Unternehmen mit dieser Fluktuationsrate kann jemand mit klarem Verstand nur ablehnen. Egal, wie gut es dotiert werden soll, man schadet sich erstmal selbst.
sven2016 11.09.2019
2. Auch möglich:
Sean Hannity oder Janine Pirro. Trump tauschte gerne Leute mit Fox News aus.
keinblattvormmund 11.09.2019
3. Er selbst hält sich doch für seinen besten Berater
Berater bei einem Beratungsresistenten. Hört sich nach Traumjob an. Besser ein neuer Berater kündigt seine alte Stelle nicht gleich, sondern nimmt sich erstmal seinen Jahresurlaub dafür...
jaegerepiceriefine 11.09.2019
4.
Den Job kann nur jemand machen ohne jeglichen eigenen Gestaltungswillen. Grenell wäre mehr als geeignet, denn er sucht lediglich die Bewunderung von nr. 45 und könnte das vorhandene Hofschranzentum hervorragend erweitern. (Und uns wäre damit auch sehr geholfen.) Mit Grenell hätte Trump eine Kasperlepuppe, die ihm nicht widersprechen wird. Sowas sucht er doch.
udo46 11.09.2019
5.
Mit dem Abgang von Bolten wird es garantiert nicht friedlicher im Weissen Haus und in der Welt. Die Strippenzieher und Lobbyisten hinter Trump werden schon dafür sorgen, dass nur ein weiterer Kriegstreiber und Spalter an die Stelle von Bolton tritt. Die Option zum Krieg ist nicht vom Tisch, und Trump ist alles andere als ein Friedensengel. Ganz im Gegenteil: War nicht er derjenige, der eine militärische Intervention in Venezuela favorisierte? Oder die Drohungen gegen den Iran, Syrien und Nord-Korea einschliesslich demonstrativer Militärmanöver an "Feindes" Grenze? Alles schon vergessen, Herr Nelles?
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