48 Jahre nach Vietnamkrieg John Kerry trifft Vietcong, der ihn töten wollte

Vo Ban Tam hatte einen Auftrag: Er sollte im Vietnamkrieg 1969 den US-Soldaten John Kerry töten. Der überlebte die Attacke, wurde US-Außenminister - und steht nun seinem früheren Feind gegenüber.


Ende der Sechzigerjahre war der heutige US-Außenminister John Kerry als Navy-Leutnant im Vietnamkrieg im Einsatz. Nun hat er einige Schauplätze seiner Stationierung noch einmal aufgesucht und dabei auch einen Mann getroffen, der ihn vor etwa 48 Jahren fast umgebracht hätte. Das berichtet die "Washington Post".

Demnach trug Kerry 1969 die Verantwortung für ein Schiff, das in einen Hinterhalt des Vietcongs geraten war. Kerry konnte sich und seine Crew damals retten, tötete dabei jedoch einen der Angreifer. Bei seinem aktuellen Besuch in Vietnam ist der heutige US-Außenminister nun einem ehemaligen Vietcong-Kämpfer begegnet, der an diesem Hinterhalt beteiligt gewesen war.

Der 70-jährige Vietnamese Vo Ban Tam wurde von der US-Botschaft in Vietnam aufgespürt und zu dem Treffen mit Kerry eingeladen. Die Begegnung der früheren Feinde fand an einer Schiffsanlegestelle statt - ganz in der Nähe des Schauplatzes der Attacke von 1969.

Mithilfe eines Übersetzers erzählte Tam dem US-Außenminister, dass er den Mann gekannt habe, den Kerry damals erschossen hatte. Der "Washington Post" zufolge handelte es sich bei dem Kämpfer um einen 24-Jährigen namens Ba Thanh. Bisher wusste Kerry nichts über den Mann. Die Informationen gingen ihm dem Bericht zufolge sichtlich nahe.

Während des Treffens erfuhren Kerry und Tam weitere Details aus dem Kriegsalltag des jeweils anderen. Am Ende der Begegnung soll Kerry sich mit den Worten "Ich bin froh, dass wir beide am Leben sind", verabschiedet haben, so die "Washington Post".

Auf Twitter veröffentlichte Kerry ein Foto von dem Treffen. In einem weiteren Tweet bezeichnete er es als "gewaltig", dass Veteranen beider Seiten heute Freunde sein könnten und gemeinsam dieselben Ziele verfolgen würden.

asc



insgesamt 39 Beiträge
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solapgir 15.01.2017
1. Schade das man sich
Erst bekriegen muss um zu erfahren das man gemeinsame Ziele verfolgen kann. Leider muss Kerry von der politischen Bühne abdanken einer der weiß wie krieg sich anfühlt was man den neuen Politikern nicht nachsagen kann !
rabandie 15.01.2017
2. noch besser wärs gewesen…
… man wäre gleich von Anfang an Freund gewesen, ohne die Hölle des Krieges!
pragmat 15.01.2017
3. Beruhigend
Nach 58.000 toten GI´s und 2 Millionen toten Vietnamesen ist es wohl an der Zeit, dass man sich an diesen sinnlosen Stellvertreter-Krieg erinnert. Es ist beruhigend, dass Mr. Kerry anscheinend eingesehen hat, dass das der falsche Feind war, im Gegenteil.
hevopi 15.01.2017
4. Wirklich sehr beeindruckend,
solche Gesten kann man wirklich ernst nehmen. Herr Kerry wird von vielen Menschen auf der Welt geschätzt und ich hoffe, noch mehr Politiker, aber auch normale Menschen haben nur ein Ziel: Frieden und Akzeptanz mit anderen Völkern.
ex_Kamikaze 15.01.2017
5. Oh,
da sollte Kerry froh sein das ihn die Vietnamesen nicht verhaftet haben um zu prüfen ob er Kriegsverbrechen begangen hat. Immerhin einen Menschen hat er getötet in einem Land in dem er nichts zu suchen hatte.
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