Kerry über Ostsee-Manöver US-Kriegsschiff hätte russische Jets "abschießen" können

Russische Kampfflugzeuge donnerten knapp über das US-Kriegsschiff USS "Donald Cook" hinweg. US-Außenminister Kerry ist aufgebracht.
John Kerry

John Kerry

Foto: Cristobal Herrera/ dpa

In neun Meter Höhe waren russische Jets Anfang der Woche über ein US-Kriegsschiff hinweggedonnert. Ein aggressives Flugmanöver in der Ostsee? Das Verteidigungsministerium in Moskau wiegelte ab: Die russischen Jets hätten alle Sicherheitsvorschriften eingehalten, die Piloten seien ausgewichen, hieß es am Donnerstag. Doch US-Außenminister John Kerry will das so nicht stehen lassen.

"Unter Beachtung der militärischen Regeln", sagte Kerry dem spanischen Sender CNN Espanol, hätte das Schiff die Jets "abschießen können". Im Zweifel darf der Befehlshaber an Bord sein Kriegsschiff verteidigen. Es liegt dabei in seinem Urteil, ob das Schiff sich in konkreter Gefährdungslage befindet.

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"Wir verurteilen dieses Verhalten", sagte Kerry auch dem "Miami Herald". "Es ist rücksichtslos. Es ist gefährlich." Es müsse klar sein, dass sich die USA nicht durch solche Vorgänge auf offener See einschüchtern lasse. "Wir haben den Russen mitgeteilt, wie gefährlich das ist. Wir hoffen, dass sich so etwas niemals wiederholt." Kerry werde den Vorfall mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow besprechen, kündigte sein Ministerium an.

Die Jets des Typs Su-24 waren am Montag und Dienstag über den Zerstörer USS "Donald Cook" hinweggeflogen. Ein Pentagon-Vertreter, der ungenannt bleiben wollte, sagte, das Vorgehen der russischen Kampfjets sei "aggressiver als alles, was wir seit einiger Zeit" gesehen haben.

Nur ein "Übungsflug"

Die russische Version des Ereignisses lautete am Donnerstag so: Nach der Sichtung des US-Zerstörers hätten die russischen Piloten ihre Maschine umgelenkt und dabei "alle Sicherheitsvorschriften eingehalten", erklärte ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums auf Facebook. Es habe sich um einen "Übungsflug" gehandelt.

Der Weg der russischen Flugzeuge habe über das Gebiet hinweggeführt, in dem sich das US-Schiff befand, rund 70 Kilometer von einem russischen Marinestützpunkt entfernt. Nach US-Angaben hatte das Schiff am Montag einen Besuch in Polen beendet und befuhr während der Zwischenfälle internationale Gewässer in fast 130 Kilometer Entfernung zur nächsten russischen Küste vor der Exklave Kaliningrad.

Die Beziehungen zwischen den USA und Russland sind seit mehreren Jahren durch den Konflikt in der Ukraine und den Bürgerkrieg in Syrien schwer belastet. Als Folge des Ukrainekonflikts hatten die USA ihre militärische Präsenz in Osteuropa ausgeweitet und die Zusammenarbeit im Nato-Russland-Rat eingestellt. Für Ende April ist allerdings nach knapp zweijähriger Funkstille eine Wiederaufnahme geplant.

vek/AP/Reuters
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