Vor Amtsantritt Bürgerrechtsikone Lewis bezeichnet Trump als illegitimen Präsidenten

Unliebsamer Kritik begegnet Donald Trump oft mit unsachlichen Anschuldigungen. So auch im Fall des Bürgerrechtlers John Lewis. Dessen Wahlkreis sei "kriminalitätsverseucht", twitterte der US-Präsident.

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Mit seinem Protestakt sorgt er im Vorfeld der Vereidigung von Donald Trump für Furore: Der afroamerikanische Kongressabgeordnete John Lewis, eine Ikone der Bürgerrechtsbewegung, will der Zeremonie am Freitag zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten fernbleiben. Zur Begründung verwies der 76-Jährige auf die mutmaßliche russische Einmischung in den Wahlkampf. Trump sei deshalb "kein legitimer Präsident".

Der Immobilienmilliardär reagierte wie üblich mit einer Twitter-Attacke. Lewis, der seit 30 Jahren dem Repräsentantenhaus angehört, solle sich lieber um seinen Wahlkreis im Südstaat Georgia kümmern. Der sei in einem "furchtbaren Zustand" und "kriminalitätsverseucht", schrieb Trump in dem Kurzbotschaftendienst. Zudem bezichtigte er ausgerechnet den Mann, nur für "Gerede, Gerede, Gerede" zu stehen, der wegen seines friedlichen Kampfes für die Rechte der Schwarzen wiederholt von der Polizei zusammengeschlagen und festgesetzt wurde.

Die Attacke werteten viele Beobachter als typischen Umgang Trumps mit unliebsamer Kritik seiner politischen Gegner. Wenige Tage vor der Amtseinführung war die Diskussion über Trumps Reaktion in den USA eines der beherrschenden Themen am Wochenende. Dabei kam die Kritik auch aus den Reihen der Republikaner. "John Lewis und sein 'Gerede' haben die Welt verändert", twitterte der Senator Ben Sasse.

Anführer von Protestaktionen gegen Rassentrennung

Trump hat mit seinem Angriff auf die Bürgerrechtsikone Lewis wieder einmal demonstriert, dass ihn die in Washington geltenden Tabus nicht scheren. Die Attacke gegen den Bürgerrechtler fuhr der künftige Präsident zudem ausgerechnet vor dem Feiertag am Montag zu Ehren von Martin Luther King, dessen Weggefährte Lewis einst war.

Lewis ist vor allem als Anführer des legendären Protestmarschs in Selma im Südstaat Alabama am 7. März 1965 bekannt. Die Demonstration für das Wahlrecht der Afroamerikaner wurde von der Polizei brutal gestoppt, das Ereignis ging deshalb als "Bloody Sunday" (blutiger Sonntag) in die Geschichte ein. Lewis, damals Anführer einer Studentenorganisation, wurde fast zu Tode geprügelt, er erlitt eine Schädelfraktur.

Bei einem der sogenannten Freedom Rides, den Protestaktionen gegen die Rassentrennung in Fernbussen, wurde Lewis 1961 erstmals von der Polizei verprügelt und festgenommen. Zwei Jahre danach war der junge Mann dann einer der Anführer der Massendemonstration in der Hauptstadt Washington, bei der Martin Luther King seine berühmte "Ich habe einen Traum"-Rede hielt.

"Es kommt einem wie Satire vor"

Lewis gehört zu einer Gruppe von mindestens 15 Kongressmitgliedern der Demokraten, die der Einschwörung Trumps vor dem Kapitol fernbleiben wollen. Unterstützt werden sie dabei von Prominenten wie dem Schriftsteller T.C.Boyle. "Wir werden in den nächsten Jahren gegen alles protestieren, was Trump macht", sagte der Bestsellerautor der "Welt am Sonntag". Der 68-Jährige hatte in den vergangenen Jahren stets die Demokraten unterstützt und sieht jetzt eine breite Gegenbewegung zum Rechtspopulisten Trump entstehen.

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Bürgerrechtsikone John Lewis: Seite an Seite mit Martin Luther King

Besonders kritisiert Boyle die Dauerpräsenz des kommenden US-Präsidenten Donald Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Seine Präsidentschaft hat ja noch nicht mal offiziell angefangen - und schon geht dieser Wahnsinn weiter, der ja im Wahlkampf kaum noch auszuhalten war", so der Schriftsteller. "Es kommt einem wie Satire vor, spiegelt aber leider das reale Leben, wie es sich zurzeit in den USA und dem Rest der Welt entwickelt. Deswegen sind wir ja derzeit alle so deprimiert."

hei/AFP

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