Abschiedsbrief verlesen McCains letzte Botschaft an Trump

In einem postum veröffentlichten Brief hat der verstorbene US-Senator John McCain seine Landsleute zur Überwindung der gesellschaftlichen Spaltung aufgerufen - und sich vom Kurs seines Widersachers abgegrenzt.
Gedenkstätte für John McCain in Phoenix, Arizona

Gedenkstätte für John McCain in Phoenix, Arizona

Foto: Ross D. Franklin/ AP

Der verstorbene US-Senator John McCain hat seine Landsleute in einer postum veröffentlichten Abschiedsbotschaft zur Überwindung der tiefen politischen Spaltung aufgerufen. "Wir schwächen unsere Großartigkeit, wenn wir Patriotismus mit Stammesrivalitäten verwechseln", schrieb McCain in dem Vermächtnis, das sein früherer Wahlkampfmanager Rick Davis am Montag in Phoenix verlas. Mit "Stammesrivalität" wird in den USA oft die Gegnerschaft der beiden großen Parteien - Republikaner und Demokraten - bezeichnet.

Unversöhnliche politische Feindschaft habe "Ressentiments und Hass und Gewalt an allen Ecken der Welt" genährt, beklagte McCain. Er grenzte sich in seiner Abschiedsbotschaft ein letztes Mal von US-Präsident Donald Trump ab: Die USA würden schwächer, "wenn wir uns hinter Mauern verstecken, anstatt sie niederzureißen, wenn wir an der Kraft unserer Ideale zweifeln, anstatt ihnen zu vertrauen und sie als die größte Kraft für den Wandel zu sehen".

Davis sagte weiter, er rechne nicht mit Trumps Teilnahme an den Trauerfeierlichkeiten. "So viel wir wissen, wird der Präsident den Trauerfeierlichkeiten nicht beiwohnen", sagte der langjährige McCain-Vertraute. "Das ist einfach eine Tatsache."

Bereits Monate vor seinem Tod hatte McCain verbreiten lassen, dass er Trump nicht als Trauergast bei seiner Beerdigung wolle. Stattdessen wünschte er sich laut Medienberichten, dass der demokratische Ex-Präsident Barack Obama und Ex-Präsident George W. Bush bei der Trauerfeier reden. McCain erlag am Samstag seinem Krebsleiden.

McCains Verhältnis zu Trump war stark belastet. Während des Präsidentschaftswahlkampfs hatte Trump den Veteranen, der mehr als fünf Jahre in Kriegsgefangenschaft verbrachte, übel verhöhnt. Für ihn sei McCain "kein Held", sagte Trump, der selbst einst den Wehrdienst umgangen hatte: "Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?"

Noch vom Krankenbett aus setzte McCain wenige Wochen vor seinem Tod eine Erklärung mit vernichtender Kritik an Trumps Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin ab. Die Pressekonferenz in Helsinki nannte er "einen der schmachvollsten Auftritte eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken".

Trump soll sich denn auch gegen eine weitergehende offizielle Würdigung seines unerbittlichen Kritikers gewehrt haben. Das Weiße Haus hätte eigentlich eine Erklärung vorbereitet, in der McCain als "Held" bezeichnet wird, hieß es in einem Bericht der "Washington Post ". Trump habe dies jedoch verhindert. Seine einzige Reaktion war demnach ein kurzer Beileids-Tweet.

Posse um Flagge

Am Tag nach McCains Tod ging Trump noch einen Schritt weiter: Während die Flagge auf dem Dach des Weißen Hauses am Sonntag auf Halbmast stand, wurde sie am Montag bereits wieder auf Vollmast gehisst. Eigentlich soll die Flagge am Todestag und am darauffolgenden Tag auf Halbmast stehen, wie im US-Code, der Sammlung des Bundesrechts , festgehalten ist. Mehrere Mitglieder des Senats beider Parteien forderten, die Flagge weiter auf Halbmast zu belassen.

Montagnachmittag auf dem Weißen Haus: Flagge wieder auf Halbmast

Montagnachmittag auf dem Weißen Haus: Flagge wieder auf Halbmast

Foto: SHAWN THEW/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Daraufhin wurde die Flagge später am selben Tag wieder auf Halbmast gesetzt. Donald Trump sagte, er habe ein Schreiben unterzeichnet, nach dem er die Flagge bis zur Beerdigung McCains nicht mehr auf Vollmast hissen werde. Gleichzeitig ließ er nun mitteilten, dass er "Senator McCains Dienst an unserem Land" respektiere.

mkl/AFP/AP
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