Republikanischer US-Senator McCain nennt US-Isolationspolitik "unpatriotisch"

Ohne den US-Präsidenten Trump beim Namen zu nennen, hat ihn der Republikaner John McCain scharf kritisiert. Er wirft der US-Regierung "halbgaren Nationalismus" vor.

John McCain
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John McCain hat die Rede zur Verleihung seiner Liberty Medal, der Freiheitsmedaille, dafür genutzt, um sich gegen die Isolationspolitik von US-Präsident Donald Trump auszusprechen. Dass sich Amerika in vielen Bereichen aus der internationalen Verantwortung nehme, sei "unpatriotisch", sagte der republikanische US-Senator. Den Namen des Präsidenten nannte er nicht.

Die USA hätten die Ideale, die die Nation rund um die Welt errichtet habe, vernachlässigt, sagte McCain. Außerdem hätten die USA die Verpflichtungen internationaler Führung verweigert, "um eines halbgaren, nachgemachten Nationalismus willen, der von Menschen gefördert wird, die lieber Sündenböcke finden, als Probleme zu lösen". Das alles sei genauso "unpratiotisch" wie "irgendeinem anderen müden Dogma des vergangenen Amerikas" anzuhängen.

"Wir leben in einem Land, das aus Idealen aufgebaut wurde, nicht aus Blut und Erde", sagte McCain weiter. Weder McCain selbst noch die übrigen Redner, darunter auch der ehemalige Vizepräsident unter Barack Obama, Joe Biden, erwähnte Angehörige der aktuellen oder einer früheren Regierung. Viele erinnerten aber an eine Zeit, als Überparteilichkeit - wie zum Beispiel die Freundschaft zwischen McCain und dem Demokraten Biden - nichts Außergewöhnliches war.

"Wir haben uns oft gestritten - manchmal leidenschaftlich", sagte McCain über sich und den früheren Vizepräsidenten. "Aber wir haben an unseren gegenseitigen Patriotismus geglaubt und die Ernsthaftigkeit unserer jeweiligen Überzeugungen."

McCain war im Jahr 1958 der Navy beigetreten und in seinen 22 Jahren im Dienst der Kriegsmarine bis zum Rang des Kapitäns aufgestiegen. Im Jahr 1967 wurde sein Flugzeug über Hanoi, Vietnam, bei einer Bombenmission abgeschossen. Danach verbrachte McCain Jahre in einem vietnamesischen Kriegsgefangenenlager. Die Freiheitsmedaille erhielt der Republikaner nun für seinen lebenslangen Dienst für die USA.

aev/AFP



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Seite 1
sven2016 17.10.2017
1.
McCain steht als sehr rechter, sehr traditioneller Republikaner für eine andere Tradition der amerikanischen Politik. Nicht ehrlicher, aber auf Grundprinzipien aufbauend und weltzugewandt. Die derzeit gewünschte Selbstdarstellung der Regierung ist eine Andere: Isolationismus, Rassismus uns Bereicherung Einzelner wird gefördert und bewundert.
roulaison 17.10.2017
2. Liberty=Frieden?
"TheLiberty Medalis an annual award administered by theNational Constitution Centerof theUnited Statesto recognize leadership in the pursuit of freedom."
j.w.pepper 17.10.2017
3. Liberty Medal...
...heißt auf Deutsch immer noch Freiheitsmedaille, nicht Friedensmedaille (wie zweimal im Artikel).
christerix 17.10.2017
4. Er hat recht!
Die USA sind zu einem Land der Schande geworden. Und der Unglaubwürdigkeit: Egal, was du für Verträge mit den USA machst, wenn es ihnen nicht passt, tun sie alles, um sie zu brechen. Und moralisch sauberes Handeln ist schon mit Bushs Angriffskriegen gestorben. Was muss Trump noch machen, bis er vom Kongress gestoppt wird?
shinjukuecho 17.10.2017
5. Liberty bedeutet Freiheit!
Frieden heißt auf Englisch "Peace"! Vielleicht sollte der Verfasser des Artikels mal Nachhilfe beim "Denglisch"-Kollegen nehmen!
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