Trauerfeier für John McCain Ein Fanal gegen den Präsidenten

Amerika nimmt Abschied von Senator John McCain. Nur der Präsident ist nicht dabei. Das wird ihm schaden.
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Mehr Staatsakt geht nicht: Um John McCain, den verstorbenen Senator, wird in den USA in diesen Tagen wie um einen Präsidenten getrauert. Am Freitag wurde er in der Rotunde des Kapitols aufgebahrt, diese Ehre wurde bislang nur 30 Amerikanern zuteil. Heute werden an seinem Sarg Barack Obama und George W. Bush sprechen.

Das Fernsehen überträgt die Feierlichkeiten live, das Land kennt praktisch kaum ein anderes Thema. Republikaner wie Demokraten verneigen sich vor McCain. Donald Trump, der Präsident ist nicht eingeladen. McCain wollte es so.

Was sagt die Trauerfeier über den derzeitigen Gemütszustand der USA? Fast alles.

Amerika ist verwirrt. Es wirkt in diesem Moment so, als wolle sich die gespaltene Nation bessern, ihre Zerstrittenheit überwinden, nur scheint das so unendlich schwierig. "Mein Name ist Joe Biden. Ich bin Demokrat. Und ich liebe John McCain", erklärte der frühere Vizepräsident bei seiner Trauerrede unter Tränen. Er sprach damit die paradoxen Gefühle an, die viele Amerikaner in diesen Tagen teilen.

Die versöhnlichen Worte und Gesten zeigen, dass das Land nach Figuren sucht, die eine überparteiliche Einigkeit verkörpern. McCain war eine solche Figur, gerade in seiner ganzen Widersprüchlichkeit.

Kein Platz für Donald Trump

Er war als Senator und Präsidentschaftskandidat ein Brückenbauer. Aber er hat die Spaltung im Land phasenweise auch mit vorangetrieben. Zum Beispiel als er die radikale Teaparty-Ikone Sarah Palin 2008 zu seiner Vizepräsidenten-Kandidatin machte.

McCain hat diesen Fehler bereut. Und er hat, als er seine Trauerfeier schon vor Monaten selbst konzipierte, verstanden, dass sie zu einem Symbol der Einigkeit des Landes werden sollte. Wie viele andere litt er unter der Spaltung und wollte einen Beitrag leisten, sie zu überwinden.

Deshalb ist auch klar, dass Donald Trump bei einer solchen Feier keinen Platz haben kann. Der Abschied von McCain ist ein Fanal gegen Trump. Im Tod setzt McCain ein Zeichen gegen eine Politik, die das Land nur weiter auseinanderbringt, statt wenigstens den Versuch zu unternehmen, es zu vereinen. Umso mehr McCain gepriesen wird, desto mehr wird Trump als Spalter bloßgestellt.

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US-Senator: Abschied von McCain

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Seit den Tagen von George Washington nehmen US-Präsidenten die Rolle des gerechten Versöhners der Nation ein. Amerika, dieser Koloss mit seinen vier Festlandzeitzonen und mehr als 320 Millionen Einwohnern, braucht den Präsidenten, die Fahne und die Hymne als Kitt, der alles zusammenhält. Nur Trump ist unwillig, diese zentrale Funktion des Präsidentenamts überhaupt auszufüllen. Oder schlimmer noch: Er versteht sie womöglich gar nicht.

Trump ist kein Anführer, der Tugenden wie Respekt, Toleranz und Fairness verkörpert. Es gibt in den USA an oberster Stelle eine dumpfe Leere, die bei den Trauerfeierlichkeiten für McCain auf beschämende Weise sichtbar wird. Vielleicht ist das Trumps treuesten Anhängern egal, aber das restliche Amerika wird die Botschaft verstehen.

John McCains Trauerfeier könnte Trump deshalb politisch mehr schaden, als er jetzt vielleicht annimmt. So war es von McCain wohl auch gedacht. Der störrische Senator aus Arizona erweist seinem Land so noch einen letzten Dienst.

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