John Walker Lindh "Amerikanischer Taliban" aus US-Haft entlassen

Der Amerikaner John Walker Lindh wurde im Afghanistankrieg als Taliban-Kämpfer gefasst und verurteilt. Jetzt durfte er nach 17 Jahren Haft vorzeitig ein US-Gefängnis verlassen.

John Walker Lindh (Archivaufnahme): Der "amerikanische Taliban" saß 17 Jahre im Gefängnis
REUTERS

John Walker Lindh (Archivaufnahme): Der "amerikanische Taliban" saß 17 Jahre im Gefängnis


Als "amerikanischer Taliban" wurde John Walker Lindh bekannt. Er war Ende 2001 beim US-geführten Einmarsch in Afghanistan gefasst worden, weil er auf Seiten der Taliban kämpfte. Im Oktober 2002 verurteilte ein Gericht in den USA den Konvertiten zu 20 Jahren Haft.

Jetzt wurde Lindh nach 17 Jahren Haft vorzeitig aus einem Gefängnis in den USA entlassen. Das berichteten der Sender CNN und andere US-Medien übereinstimmend unter Berufung auf Lindhs Anwalt Bill Cummings. Lindh seien wegen guter Führung drei Jahre seiner Strafe erlassen worden. Für ihn gälten nun aber strenge Auflagen.

Der 38-Jährige war zuletzt in einem Gefängnis in Terre Haute im US-Bundesstaat Indiana inhaftiert gewesen. Lindh war der erste US-Amerikaner, der in dem von den USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausgerufenen "Krieg gegen den Terror" gefangen genommen wurde.

US-Außenminister Mike Pompeo nannte Lindhs vorzeitige Haftentlassung "unerklärlich und gewissenlos". Pompeo sagte dem Sender Fox News unmittelbar vor der Haftentlassung: "Daran ist etwas zutiefst Beunruhigendes und Falsches." Pompeo - der die CIA von 2017 bis 2018 leitete - beschuldigte Lindh am Donnerstag, der radikalislamischen Ideologie nicht abgeschworen zu haben. "Nach meinem Verständnis bedroht er weiterhin die Vereinigten Staaten von Amerika und ist weiterhin demselben Dschihad verschrieben, in dem er sich engagiert hat."

Lindh war nach seiner Festnahme 2001 gemeinsam mit anderen Taliban- und Al-Qaida-Kämpfern in der Festung Kala-i-Dschangi bei Masar-i-Scharif in Nordafghanistan inhaftiert gewesen, als es dort zu einem Gefangenenaufstand kam. Bei dem Aufstand wurde ein Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA, der Amerikaner Mike Spann, getötet. Lindh wurde deswegen allerdings nicht verurteilt.

Lindh hatte sich vor Gericht "von jeder Art von Terrorismus" distanziert und sich des Sprengstoffbesitzes und der Unterstützung des Taliban-Regimes schuldig bekannt. Im Gegenzug hatte die Bundesanwaltschaft einen schwerer wiegenden dritten Anklagepunkt - Verschwörung zur Ermordung von Amerikanern - fallen gelassen.

als/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.