John Walker Lindh US-Taliban wollte fliehen - und blieb aus Angst

Der amerikanische Taliban John Walker Lindh arbeitet an einer Verteidigungsstrategie für die US-Gerichte. Erste Frucht der Bemühungen: Seine Anwälte teilen nun mit, Walker hätte nach dem 11. September bei den Taliban aussteigen wollen. Er sei nur aus Furcht um sein Leben geblieben.

Washington - John Walker Lindh ist in den USA wegen Beihilfe zum Terrorismus angeklagt ist. Wie US-Zeitungen nun berichteten, gab Walker seinen Verteidigern zufolge bei Verhören schon im Dezember an, dass er die Anschläge vom 11. September nicht gutheiße und danach "desillusioniert" gewesen sei. Die Flucht habe er sich dann aber nicht getraut - er habe Angst gehabt, umgebracht zu werden.

Der 21-Jährige war nach der Gefängnisrevolte von Masar-i-Scharif in Afghanistan gefangen genommen und später in die USA gebracht worden. Die Anklage legt ihm zur Last, freiwillig an der Seite der Taliban und al-Qaida-Terroristen gekämpft und sich mit ihnen zur Tötung von Amerikanern verschworen zu haben. Nach Angaben der Verteidiger widerlegen die schriftlich festgehaltenen Äußerungen jedoch den Vorwurf, dass Walker ein williger Komplize gewesen sei.

Die Anwälte beantragten beim zuständigen Gericht im US-Staat Virginia die Herausgabe der Vernehmungsprotokolle mit den entsprechenden Aussagen durch die Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger befürchten nach eigenen Angaben, dass die Anklage die für Walker günstigen Äußerungen verschweigen wolle. In einer jüngsten Zusammenstellung der Aufzeichnungen seien die Passagen plötzlich nicht mehr aufgetaucht.