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12. Juni 2019, 04:53 Uhr

Umgang mit 9/11-Ersthelfern

Wie Jon Stewart US-Abgeordneten ins Gewissen redete

Der US-Kongress muss neu über einen Hilfsfonds für erkrankte 9/11-Ersthelfer entscheiden. Zu einer Anhörung kamen zahlreiche Opfer - aber kaum Politiker. Der frühere TV-Moderator Jon Stewart reagierte äußerst emotional.

"Sie haben ihren Job gemacht. Jetzt, 18 Jahre später, machen Sie Ihren!" Mit einem emotionalen Appell hat sich der einstige TV-Moderator Jon Stewart an den US-Kongress gewandt und die Politiker dazu aufgefordert, die finanziellen Hilfen für diejenigen Menschen sicherzustellen, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 als Erste im Einsatz waren - und die dabei schwere Gesundheitsschäden davontrugen.

Bis heute haben zahlreiche der Ersthelfer mit den gesundheitlichen Folgen zu kämpfen. 2001 wurde ein Hilfsfonds (Victim Compensation Fund) für sie eingerichtet, nach langen Debatten in Washington wurde er 2011 und 2015 mit neuen Mitteln ausgestattet. Nun sind diese fast erschöpft - und der Kampf um die Finanzen geht erneut los.

Zu der aktuellen Anhörung in Washington erschienen nun etliche der 9/11-Ersthelfer. Die Reihen der Abgeordneten waren hingegen ausgedünnt. "Die Helfer vom 11. September sind hierhergekommen, krank und sterbend, um zu sprechen", sagte Stewart. Aber niemand sei nun da, um ihnen zuzuhören. "Das ist eine Schande für das Land, und es ist eine Schande für dieses Parlament."

Die Gleichgültigkeit der Abgeordneten koste die Männer und Frauen im Saal ihr wertvollstes Gut, sagte Stewart. "Zeit. Es ist das einzige, was ihnen davonläuft."

Seit 18 Jahren hätten die Ersthelfer gekämpft, sagte Stewart. "Sie haben gekämpft, als ihnen niemand glaubte, krank zu sein. Sie haben gekämpft, als ihnen niemand glaubte, dass ihre Krankheit durch 9/11 verursacht wurde. Sie haben gekämpft, als niemand dachte, ihre medizinische Versorgung sei es wert, bezahlt zu werden."

Neben Stewart kamen auch mehrere der Ersthelfer selbst zu Wort, außerdem Hinterbliebene von Menschen, die an den Folgen des Einsatzes gestorben waren.

Stewart wurde während seiner Rede immer wieder laut, an einigen Stellen brach ihm die Stimme. "Es tut mir leid, wenn ich wütend und undiplomatisch klinge", sagte er. "Aber ich bin wütend. Und das sollten Sie auch sein." Als er seine Rede beendete, standen die Menschen im Saal auf und applaudierten.

Auch in den sozialen Netzwerken bekommt Stewart für seinen Auftritt viel Lob. Moderator Jimmy Kimmel bedankte sich bei Stewart dafür, dass er sicherstelle, dass "Never Forget" nicht nur ein nett klingender Spruch sei. "Perfekt. Danke, Jon Stewart", schrieb Schauspielerin Julia Louis-Dreyfus.

Stewart hatte 16 Jahre lang die "Daily Show" moderiert und galt als das linke Gewissen Amerikas. 2015 übergab er die Show an seinen Nachfolger Trevor Noah. In seinen Sendungen hat sich Stewart immer wieder mit emotionalen Reden an seine Zuschauer gewandt: Zum Beispiel unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 oder 2015 nach dem Massaker in einer afroamerikanischen Kirche in Charleston.

Video: Chronik des 11. September 2001

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