Camp in Jordanien Syrische Flüchtlinge attackieren Helfer

Als Mitarbeiter Brot verteilen wollten, eskalierte die Situation. In einem Camp im Norden Jordaniens haben syrische Flüchtlinge Helfer angegriffen, es gab mehrere Verletzte. Die Situation dort ist katastrophal, zuletzt hatte ein Regensturm zahlreiche Zelte schwer beschädigt.
Flüchtlingslager Saatari: Kampf gegen das Unwetter

Flüchtlingslager Saatari: Kampf gegen das Unwetter

Foto: ALI JAREKJI/ REUTERS

Saatari/Genf - Mehrere Mitarbeiter des Flüchtlingslagers Saatari im Norden Jordaniens sind bei einem Aufruhr verletzt worden. In dem Camp nahe der syrischen Grenze leben nach Angaben der Nachrichtenagentur AP fast 50.000 Flüchtlinge, darunter Kinder und Schwangere.

Als die Mitarbeiter am Dienstagmorgen Brot verteilen wollten, eskalierte die Situation. Es kam zu "einem Ansturm", sagte Anmar Hmud, Regierungssprecher für Flüchtlingsangelegenheiten, der Nachrichtenagentur AFP. Dutzende Flüchtlinge attackierten Helfer mit Stöcken und bewarfen sie mit Steinen, berichtete AP.

"Die Flüchtlinge begannen sich gegenseitig zu schubsen, als sie auf die Helfer zuliefen. Sie warfen Steine aufeinander, und es gab eine Massenpanik, bei der einige Helfer verletzt worden", so Hmud. Die Polizei sprach von sieben Verletzten.

Die Situation in dem Lager ist angespannt. Hunderte Zelte sind durch schwere Regenfälle und heftigen Wind in den vergangenen Tagen zerstört worden. Nach Angaben von Ali Bibi vom Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sind 500 Zelte betroffen. Man versuche nun, mit der jordanischen Regierung für die Betroffenen Wohnwagen zu organisieren.

"Es ist die Hölle"

Die Bedingungen in dem sechs Monate alten Lager sind schlecht. Es besteht aus 4000 Wohnwagen und 4500 Zelten. Es fehlt an Strom, die Wege sind schlammig, überall steht Wasser. Immer wieder gab es Beschwerden über die Zustände in dem Camp. "Es ist die Hölle. Im Sommer brütende Hitze, jetzt die Kälte", sagt der 45-jährige Ahmed Zibi, Vater von fünf Kindern, der Nachrichtenagentur AP. Auch sein Zelt kollabierte in dem Sturm der vergangenen Tage.

Jordanien, das mehr als 280.000 syrische Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen hat, litt in den vergangenen Tagen unter sintflutartigen Regenfällen. Der Sturm ließ am Dienstag nach, aber es gab Warnungen, dass ein großer Schneesturm die Region am Mittwoch treffen könnte.

Keine Hilfe mehr in Homs und Aleppo

Auch im Bürgerkriegsland Syrien bleibt die Versorgungslage angespannt. Für einen Großteil der hungerleidenden Menschen dort ist nach Uno-Angaben keine Hilfe in Sicht. Das Welternährungsprogramm WFP erklärte am Dienstag in Genf, es könne nur rund 1,5 Millionen der etwa 2,5 Millionen Bedürftigen im Januar helfen. Aus Sicherheitsgründen hat sich die Organisation aus den Städten Homs, Aleppo, Tartus und Kamsli zurückgezogen. Dafür konnten die Helfer im Dezember demnach erstmals seit Monaten in umkämpfte Gebiete an der türkischen Grenze gehen.

In einer der bisher größten nicht-staatlichen Hilfsaktionen für die syrische Zivilbevölkerung haben unterdessen zwei islamische Organisationen 850 Tonnen Mehl auf den Weg gebracht. Die Spenden der Hilfsorganisation IHH in der Türkei und einer Stiftung aus Katar sollen sowohl an syrische Flüchtlinge in der Türkei als auch an Bedürftige in Syrien selbst verteilt werden, wie die IHH am Dienstag mitteilte.

Seit März 2011 tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Bei dem Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad wurden nach Einschätzung der Vereinten Nationen bisher mehr als 60.000 Menschen getötet. Hunderttausende sind auf der Flucht.

heb/AP/AFP/dapd
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