Toter Pilot aus Jordanien Vater der Geisel fordert Rachefeldzug gegen IS-Miliz

"Das Blut meines Sohnes ist noch nicht gesühnt": Der Vater des toten jordanischen Kampfpiloten verlangt von seinem Land massive Schläge gegen die IS-Miliz. Das Königshaus dürfte zuhören - es braucht den Rückhalt seines Stamms.

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Amman/Hamburg - Der grausame Mord an dem jordanischen Piloten Muaz al-Kasaesbeh hat das Land aufgewühlt, auf den ersten Schock nach der Bluttat folgen nun immer lautere Forderungen nach Vergeltung. Auch der Vater des Opfers hat seine Regierung aufgerufen, "scharfe Rache" an der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu nehmen.

Der IS sei eine "Verbrecherorganisation" und weit vom Islam entfernt, sagte Safi al-Kasaesbeh am Mittwoch dem arabischen Nachrichtenkanal Al Arabiya. Die Jordanier erwarteten auch von der internationalen Koalition weitere Luftschläge, um den IS zu zerstören. Im TV-Sender Al Jazeera verschärfte er seine Forderung noch einmal: "Ich rufe die arabischen Staaten und die Koalition auf, den IS auszulöschen. Und weiter: "Das Blut meines Sohnes ist noch nicht gesühnt." Er forderte damit wohl indirekt die Hinrichtung weiter IS-Terroristen in jordanischer Haft.

Eine erste, ebenfalls harte Reaktion hat es bereits gegeben. Jordanien hatte am frühen Morgen zwei zum Tode verurteilte Terroristen hingerichtet, darunter die Dschihadistin Sadschida al-Rischawi.

Gefangene Rishawi (Archivbild): Hinrichtung als Sofortreaktion
REUTERS

Gefangene Rishawi (Archivbild): Hinrichtung als Sofortreaktion

Die Regierung in Amman wollte damit ein Signal an den IS senden, der in einem Video die Verbrennung des jordanischen Mannes bei lebendigem Leib zeigt.

Die Forderung von Safi al-Kasaesbeh hat einiges Gewicht, schließlich gehört er zum Stamm der Bararsheh aus dem südlichen Jordanien. Die Gruppe gilt als äußerst loyal gegenüber dem Königshaus, hat gleichzeitig aber auch politischen Einfluss. In dem traditionell von Stämmen geprägten Land ist der König auf deren Rückhalt angewiesen - und gewährt ihnen im Gegenzug Mitspracherecht. Dazu rekrutiert das Militär aus ihren Reihen regelmäßig sein Top-Personal. So auch im Fall des jungen Kampfjet-Piloten Muaz al-Kasaesbeh.

Unmittelbar nach dem Absturz von dessen Flugzeug über dem nordsyrischen Rakka am 24. Dezember hatte der jordanische König der Familie einen Besuch abgestattet - ein weiterer Beleg für das besondere Verhältnis zwischen Familie, Stamm und Herrscherhaus. Zudem hatten Vertreter des Stamms im Hintergrund vehement auf einen Gefangenenaustausch gedrängt, der Muaz al-Kasaesbeh die Freiheit gebracht hätte.

Ende Januar schien ein solcher Austausch bereits nah, dann scheiterten die Verhandlungen. Der IS hatte von Jordanien gefordert, Rischawi gegen Kasaesbeh und die japanische Geisel Kenji Goto freizulassen. Jordanien forderte daraufhin ein Lebenszeichen des Piloten. Dieser war jedoch laut dem jordanischen Staatsfernsehen schon vor einem Monat getötet worden. Goto wurde vom IS enthauptet.

In vielen Städten des Landes, unter anderem in Kasaesbehs Heimatort Karak, war es zu spontanen Demonstrationen gekommen. Immer wieder wurde dabei die Forderung nach Rache laut. Das Militär des Landes hat bereits angekündigt, dass die beiden Hinrichtungen von Mittwochmorgen als Auftakt einer Reihe von gezielten Vergeltungsaktionen zu werten seien. "Das Blut des Märtyrers wird nicht umsonst geflossen sein", sagte ein Armeesprecher in einer Ansprache im jordanischen Fernsehen. Und weiter: "Unsere Rache wird das Ausmaß des Schmerzes haben, der allen Jordaniern zugefügt wurde."

Weltweit hatte die Verbrennung des jungen Soldaten Bestürzung ausgelöst. US-Präsident Obama hatte betont, die Ermordung des Piloten werde die Bemühungen des Anti-IS-Bündnisses nur verdoppeln. In Syrien fliegen die USA und arabische Verbündete Angriffe, im Irak sind auch Nato-Länder sowie Australien dabei. Obama hatte sich am Dienstag mit dem jordanischen König in Washington beraten.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte in New York, die Verbrennung des Piloten sei eine "fürchterliche Tat". Die IS-Miliz sei "eine Terrororganisation ohne Respekt vor menschlichem Leben". Der Uno-Sicherheitsrat prangerte in einer Erklärung die "anhaltenden Akte der Barbarei" der Dschihadisten an.

jok/dpa/AFP/Reuters

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