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Rebellenführer Joseph Kony: Indiana Jones jagt Warlord

Foto: Robert Young Pelton

Ugandas Warlord US-Abenteurer startet Jagd auf Joseph Kony

Für ein paar Wochen war ihm zumindest virtuell die ganze Welt auf den Fersen. Doch Joseph Kony ist immer noch frei, trotz US-Militärs und einer riesigen Internetkampagne. Der Abenteurer Robert Young Pelton will Ugandas Warlord nun im Alleingang finden - und mit ihm reden.
Von Andreas Spinrath

Seattle - 200 Millionen Dollar reichen nicht, um den ugandischen Warlord Joseph Kony zu fangen: So viel hat die Jagd auf den Rebellenführer bisher gekostet. Trotz Operationen von US-Spezialkräften, trotz eines Fünf-Millionen-Dollar-Kopfgelds und der aufsehenerregenden Internetkampagne "Kony 2012" ist die Suche nach dem Anführer der Lord's Resistance Army (LRA) erfolglos geblieben.

Jetzt hat der amerikanisch-kanadische Autor Robert Young Pelton einen verrückten Plan: Er will den gefürchteten Kriegsverbrecher auf eigene Faust suchen und sammelt dafür schon Spenden im Internet.

Kony wird seit 2005 vom Internationalen Strafgerichtshof per Haftbefehl gesucht. Ihm werden vor allem im Norden Ugandas schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen: Tötung, Zwangsprostitution, Versklavung und Zwangsrekrutierung von Kindern. Seine Rebellentruppe LRA ist inzwischen auf schätzungsweise 250 Anhänger zusammengeschrumpft.

Der 58-jährige Pelton ist Filmemacher, Journalist und sieht ein bisschen aus wie eine aktuelle Version von "Indiana Jones". Pelton ist ein Abenteurer - aber unbewaffnet, darauf legt er Wert.

450.000 Dollar will seine "Expedition Kony" einsammeln, um im Grenzgebiet zwischen Südsudan, der Zentralafrikanischen Republik, dem Kongo und Uganda nach dem Warlord zu fahnden.

Aber ob sein Plan wirklich funktioniert und realistisch ist? Pelton will sich mit Dorfbewohnern treffen und sie mit Medikamenten versorgen, um Vertrauen zu schaffen. Ehemalige Gefangene der LRA sollen ihm Informationen geben. Pelton und sein Team wollen sich auf der Suche nach Hinweisen durch den Dschungel kämpfen - und nicht wie die USA nur mit Überwachungsdrohnen über die Baumwipfel fliegen.

Aber warum sollte ausgerechnet er Kony finden? Etwas schaffen, was die Amerikaner und die Armeen Zentralafrikas nicht hinbekamen? "Ich habe eine eindrucksvolle Erfolgsbilanz: Seit drei Jahrzehnten finde ich gefährliche Menschen, die nicht gefunden werden wollen", sagte Pelton zu SPIEGEL ONLINE.

Bei über 2000 kriegerischen Auseinandersetzungen in 125 Ländern will der Amerikaner dabei gewesen sein, er entging angeblich einem Bombenanschlag in Somalia und wurde von kolumbianischen Paramilitärs entführt. Pelton gilt als Experte für Orte, an die sonst niemand will, eines seiner Bücher heißt "The World's Most Dangerous Places". Die Liste seiner Interviewpartner ist ein "Who is Who" des Schreckens: von afghanischen Taliban über liberianische Rebellen bis hin zu tschetschenischen Mafiosi.

Wenn Pelton den Warlord dann tatsächlich findet, will er mit Kony - reden. "Wir sind keine Kopfgeldjäger. Wir wollen entweder mit ihm sprechen oder den Behörden seinen Standort mitteilen. Idealerweise könnte sich Kony in Den Haag selbst verteidigen. Jeder verdient Gerechtigkeit." Deshalb dürfe man den Rebellenchef nicht erschießen - seine Opfer hätten Konys Verurteilung verdient.

"Ich bin gut darin, Flüchtige zum Sprechen zu bringen"

Aber warum sollte der Warlord überhaupt mit ihm sprechen? Zumindest Pelton selbst ist von seinen Fähigkeiten überzeugt: "Ich bin gut darin, Flüchtige zum Sprechen zu bringen." Hat er denn keine Angst vor den Rebellen? "Terroristen wie Kony benutzen die Angst der anderen als Schutz. Angst ist aber eine unproduktive Emotion, die mich nicht beschäftigt."

Die Bemühungen der bisherigen Suchtrupps nimmt Pelton nicht ernst: "Es sieht für mich aus, als sei das Nicht-Finden von Kony eine Wachstumsindustrie. Wieso sind US-Spezialtruppen und die Armeen von drei afrikanischen Ländern nicht in der Lage Kony zu finden?", fragt er.

Scott DeLisi, der US-Botschafter in Uganda, verteidigte kürzlich in der "Washington Post" die Suche nach dem Warlord: "Wenn wir es ernst meinen mit dem, woran wir Amerikaner glauben, dann müssen wir Kony loswerden." Gerade erst berichtete die Zeitung,  dass das Pentagon weitere Soldaten und Flugzeuge nach Uganda schicken will.

Doch loswerden konnte man Kony bislang nicht - auch nicht durch die Multimillionendollar-Einsammler der Kinderhilfsorganisation Invisible Children. Schon ab 5 Dollar und einem "Gefällt mir"-Klick beteiligt man sich virtuell an der Jagd auf den Warlord. Doch die Kampagne "Kony 2012" hat bisher nichts Konkretes zur Ergreifung des Kriegsverbrechers beigetragen. Immerhin gibt es für Spender ein handgeknüpftes Armband aus Uganda. Zu Peltons Plänen äußert sich die Organisation nur zurückhaltend: "Wir kennen ihn nicht."

Auch Pelton lockt besonders spendable Unterstützer: Wer 25.000 Dollar investiert,  darf mit ihm auf die Jagd nach Kony gehen.

An dem Warlord ist Pelton allerdings schon einmal gescheitert: Er suchte schon in den neunziger Jahren in Uganda erfolglos nach ihm. "Aber jetzt ist es ein ernsthafter Versuch, Kony ausfindig zu machen - damit man sich wieder wichtigeren Aufgaben zuwenden kann", sagt Pelton.

Wichtigere Aufgaben? Der Abenteurer hat ein eigenwilliges Ranking: "Der Zusammenbruch der Zentralafrikanischen Republik, das Chaos in Libyen, die Abholzung des Regenwalds auf Madagaskar - und die illegale Jagd auf Nashörner und Elefanten."

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