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Fahndung nach Kony: Kinder an den Waffen der LRA

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Uno-Bericht Konys Armee entführt Hunderte Kinder in Afrikas Dschungel

Auf seiner Flucht verschanzt sich Joseph Kony tief im afrikanischen Urwald. Das hindert den ugandischen Rebellenchef nicht daran, weiter Kinder zu entführen. Laut Uno verschleppte seine Truppe seit 2009 Hunderte Jungen und Mädchen. Diese werden als Soldaten eingesetzt - oder als Sklaven missbraucht.

Kampala - Seit Jahren jagen internationale Truppen den Rebellenführer Joseph Kony - immer schlüpft ihnen der mutmaßliche Massenmörder durchs Netz. Trotz der langen Flucht im Dschungel von Zentralafrika verschleppt Kony mit seiner Lord's Resistance Army (LRA) weiter regelmäßig Kinder, um sie als Soldaten oder Sklaven einzusetzen. Nun haben die Vereinten Nationen neue Zahlen über das Ausmaß der Entführungen veröffentlicht.

Das Ergebnis der Uno-Untersuchung ist bestürzend. Zwischen Juli 2009 und Februar 2012 seien mindestens 591 Kinder aus der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik und dem Süden Sudans entführt worden. Dies erklärte der Uno-Beauftragte für Kinder in bewaffneten Konflikten, Radhika Coomaraswamy, am Mittwoch in New York bei der Vorlage des Berichts über die Aktivitäten der Lord's Resistance Army.

Die entführten Kinder würden als Kindersoldaten, Spione, Wächter, Träger und Köche eingesetzt, sagte Coomaraswamy. Häufig würden sie gezwungen, enge Angehörige und Freunde umzubringen. Nach aktuellen Erkenntnissen verfügt Kony noch über 300 bis 500 bewaffnete Kräfte, rund die Hälfte davon seien Kindersoldaten. Die Hälfte der entführten Kinder sind Mädchen. Sie werden in der Regel zwangsverheiratet, häufig vergewaltigt oder sexuell missbraucht.

Seit Monaten läuft eine intensive Fahndung nach Kony in den Dschungelgebieten Zentralafrikas. Das Interesse an der Suche wurde durch ein millionenfach geklicktes Internetvideo der US-Kinderhilfsorganisation Invisible Children gesteigert, das seit dem Frühjahr abrufbar ist und in dem die Gewalttaten der LRA angeprangert werden.

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag sucht Kony wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter Mord, Vergewaltigung und Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten. An der Fahndung sind rund hundert US-Spezialkräfte beteiligt.

Hoffen auf Hinweise von Konys Ex-Kommandeur

Der Uno-Sonderbeauftragte für Zentralafrika, Abou Moussa, hatte zuletzt erklärt, dass sich die Schlinge um Kony immer enger zusammenziehe. Mitte Mai hatte Ugandas Armee einen der Kommandeure der LRA gefasst. Von Caesar Acellam erhoffen sich die Jäger wichtige Hinweise über den Aufenthaltsort von Joseph Kony. Im Gegenzug könnte der Gefasste mit einer milden Strafe davonkommen.

Allerdings hat Kony zusammen mit der ihm verbliebenen Armee das Versteckspiel im schwer zugänglichen Dschungel im Herzen Afrikas perfektioniert. Er hat seine LRA in kleine Einzelgruppen versprengt. Die Einheiten verständigen sich nur noch per Boten; Mobiltelefone oder andere elektronische Mittel der Kommunikation sind verboten. Das macht die Gruppen selbst für die US-Spezialeinheiten vor Ort kaum zu orten.

Rätseln über Konys Versteck im Urwald

Ein weiterer Nebeneffekt der rudimentären Kommunikationswege: Auch wenn ein hochrangiger Vertreter der LRA gefasst wird, so wie nun im Fall Caesar Acellam, kann er den Aufenthaltsort seines Chefs nicht verraten - weil er ihn selbst nicht genau kennt. Oft brauchen die Botschafter Wochen, um Nachrichten zu überbringen. Dann hat der Rebellenchef meist bereits wieder seinen Standort gewechselt.

Entsprechend vage bleiben die Vermutungen zu Konys aktuellem Aufenthaltsort. Es gibt zwei Theorien: Zum einen existieren Anhaltspunkte, dass sich der Rebellenchef in den Sudan gerettet haben könnte - und den Schutz der dortigen Regierung genießt. Angeblich stattet Khartum die Einheiten der LRA sogar mit Uniformen aus. Wahrscheinlicher scheint jedoch, dass sich Kony in der Zentralafrikanischen Republik verschanzt hält.

jok/AFP/Reuters
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