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Rebellenführer Joseph Kony: Hightech vs. Urwaldkämpfer

Foto: © Wolfgang Rattay / Reuters/ REUTERS

Jagd auf Ugandas Warlord USA schicken Spezialflugzeuge gegen Joseph Kony

Hightech gegen Dschungelkrieger: Die USA entsenden Flugzeuge nach Uganda. Eine Eliteeinheit soll den Kriegsverbrecher Joseph Kony aufspüren. Ihre Kipprotor-Maschinen sind für Einsätze in der Wildnis besonders gut geeignet.

Kampala - Die Wildnis Zentralafrikas ist ein schier endloses Labyrinth aus Urwald, Unterholz, Steppe und Flussläufen. Infrastruktur gibt es kaum, Straßen oder gar Landepisten sind die Ausnahme. Irgendwo in diesem Wirrwarr soll sich Joseph Kony verstecken. Das vermuten zumindest die USA und die Afrikanische Union - auch wenn es seit langem kein Lebenszeichen von dem gefürchteten Kriegsverbrecher gegeben hat. Nun stockt das Pentagon seine Truppen auf. Zum ersten Mal schickt US-Präsident Barack Obama auch Kriegsflugzeuge auf die Kony-Jagd.

Seit Sonntagnacht läuft die Mission, wie die "Washington Post" berichtet . Bis Mitte der Woche soll die erste CV-22-"Osprey"-Maschine in Uganda eintreffen. Zur gleichen Zeit werden rund 150 Soldaten in dem ostafrikanischen Land erwartet. Dabei handelt es sich nach Angaben des Pentagon um Spezialeinheiten der Air Force, sowie um Servicepersonal für das Flugzeug. Schon bald sollen mindestens drei weitere Maschinen folgen.

Die "Osprey"-Flugzeuge verfügen über drehbare Rotoren und können wie ein Hubschrauber nahezu senkrecht starten und landen. Im unwegsamen Gelände Zentralafrikas ein entscheidender Vorteil, Standardmaschinen von vergleichbarer Größe finden dort kaum Landemöglichkeiten. Bis zu 24 Soldaten passen in eine "Osprey", an Bord befindet sich zudem ein Maschinengewehr zur Verteidigung. Da die "Ospreys" in der Luft betankt werden können, erhöht sich außerdem die Reichweite bei den Einsätzen deutlich. "Mit diesen Flugzeugen können wir viel schneller auf Hinweise reagieren", zitiert die "Washington Post" Amanda Dory aus dem Pentagon.

Immer weniger Übergriffe der LRA

Diese Hinweise dürften sich auf den Aufenthaltsort von Joseph Kony beziehen. Seit Jahren entgeht dieser seinen Jägern, zusammen mit einer schrumpfenden Gruppe von Getreuen soll er sich im Dschungel versteckt halten. Die Überfälle seiner Lord's Resistance Army (LRA) auf Zivilisten im Grenzgebiet von Uganda, Südsudan und Zentralafrikanischer Republik haben zuletzt stark nachgelassen.

Kony wird unter anderem wegen der Entführung Tausender Kinder gesucht, die in den Reihen der LRA als Soldaten oder Sklaven missbraucht wurden. Im Jahr 2012 griff eine aufwendige US-Kampagne den Fall auf, millionenfach wurde ein 30-minütiges Webvideo angeklickt.

Bereits ein Jahr zuvor hatten die USA erstmals Spezialkräfte nach Uganda entsandt. Sie beraten die lokalen Einheiten bei der Suche nach Kony und stellen Ausrüstung zur Verfügung. Offiziell dürfen sie sich jedoch nicht an Kampfhandlungen beteiligen, außer zur Selbstverteidigung. Dies gilt laut Pentagon auch für die neuen Spezialkräfte, die nun nach Uganda geschickt werden.

Technische Probleme im Urwald

Insgesamt sollen nun rund 300 US-Soldaten an der Jagd beteiligt sein. Echte Erfolge können sie bisher jedoch nicht vorweisen. Das extreme Klima, die fehlende Infrastruktur und dichte Vegetation machen Teile ihrer Hightech-Ausrüstung unbrauchbar. Zudem suchen sie in dem unüberschaubaren Gebiet nach einer Gruppe erfahrener Dschungelkämpfer, die alles tun, um unentdeckt zu bleiben. Nach Jahren der Flucht hat die LRA ein ausgeklügeltes System zur Kommunikation entwickelt. Boten überbringen Nachrichten zwischen den versprengten Splittergruppen, ortbare Technik vermeiden sie.

Das größte Problem der Kony-Jäger: Selbst wenn sie Nachrichten über Angriffe oder Sichtungen von LRA-Kämpfern erreichen, dauern Anfahrt oder Flug zum Angriffsort bisher viel zu lange. Auf den wenigen Landepisten können nur kleine Propellermaschinen landen. Diese haben zwei entscheidende Nachteile: Sie sind klein und langsam.

Bereits im vergangenen Jahr wurden daher die "Osprey"-Flugzeuge aus Dschibuti angefordert. Dort setzt sie das Militär vor allem für die Jagd auf Piraten am Horn von Afrika ein. Nun sollen sie helfen, Joseph Kony festzusetzen - einen der meistgesuchten Männer des Kontinents.

jok
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