"Guardian"-Journalist Greenwald Snowden soll noch viel mehr brisantes Material besitzen

Whistleblower Edward Snowden besitzt noch viel mehr brisantes Material, als er bisher preisgegeben hat - das berichtet "Guardian"-Journalist Glenn Greenwald im Interview mit einer argentinischen Zeitung. Tausende Dokumente habe Snowden auf verschiedene Orte verteilt.
Pro-Snowden-Transparent (in Berlin): "Schlimmster Alptraum"

Pro-Snowden-Transparent (in Berlin): "Schlimmster Alptraum"

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Buenos Aires - "Snowden besitzt genügend Informationen, um der US-Regierung innerhalb einer Minute mehr Schaden zuzufügen, als es jede andere Person in der Geschichte der USA jemals getan hat" - diese drastischen Worte wählte "Guardian"-Journalist Glenn Greenwald in einem Interview mit der argentinischen Zeitung "La Nación".  Snowden verfüge danach über weit mehr brisantes Material, als er bisher preisgegeben hat.

Dazu muss man wissen, dass Greenwald mutmaßlich enge Beziehungen zu Snowden pflegt: Der in Rio de Janeiro lebende Journalist hatte vor rund einem Monat das Interview geführt, in dem Snowden die riesigen Überwachungsprogramme der USA enthüllte. Damit brachte er den Ausspäh- und Datenskandal ins Rollen.

Der US-Regierung zu schaden, sei allerdings nicht Snowdens Anliegen, sagte Greenwald - und untermauerte diese Ansicht noch einmal in einem Blog-Eintrag . Der Whistleblower wolle das besagte Material gar nicht veröffentlichen. "Sein Ziel ist es, die Informationsprogramme aufzudecken, die von Menschen auf der ganzen Welt genutzt werden, ohne zu wissen, dass sie sich damit entblößen und ohne dass sie bewusst zugestimmt haben, ihr Recht auf Privatsphäre aufzugeben."

"Schlimmster Alptraum" der USA

Snowden besitzt laut Greenwald eine gewaltige Menge an Dokumenten. Tausende davon habe er auf verschiedene Orte verteilt und so "sichergestellt, dass mehrere Personen weltweit sein Archiv komplett haben". Das sei eine Lebensversicherung für den Whistleblower. Sollte ihm etwas zustoßen, würden diese Dokumente veröffentlicht. Für die Vereinigten Staaten wäre dies nach Einschätzung von Greenwald "ihr schlimmster Alptraum".

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NSA-Enthüllungen: Chronologie der Snowden-Affäre

Foto: Carsten Rehder/ dpa

In seiner Heimat wird der 30-jährige IT-Experte Snowden wegen Geheimnisverrats gesucht. Die US-Regierung hat seinen Reisepass für ungültig erklärt. Er sitzt deshalb seit dem 23. Juni im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo fest. Snowden hat zwar um Asyl in Russland gebeten, will aber später weiterreisen.

In einem Versuch, weiteren Schaden abzuwenden, rief US-Präsident Barack Obama in der Nacht Kremlchef Wladimir Putin an. Offiziell hieß es, beide Präsidenten hätten den Fall Snowden erörtert. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow betonte, dass Obama selbst die Initiative ergriffen habe. Details des Gesprächs nannte er nicht.

Kremlchef Putin hatte zuvor erklärt, dass Snowden nicht ausgeliefert werde und nur dann in Russland bleiben könne, wenn er aufhöre, den USA Schaden zuzufügen. Beobachter werteten das als Zugeständnis Russlands an die USA, um die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern nicht noch weiter zu belasten. Bei einem Treffen mit Menschenrechtlern und russischen Juristen hatte Snowden auf dem Flughafen am Freitag zunächst formlos Asyl beantragt. Er begründete das mit seiner ausweglosen Situation. Deshalb sei er auch bereit, auf Putins Bedingungen einzugehen. "Wenn Snowden diese akzeptiert, gibt es keinen einzigen Grund, ihm das zu verwehren", twitterte der Chef des Auswärtigen Ausschusses in der Staatsduma, Alexej Puschkow.

Bisher keinen Asylantrag erhalten

Auch andere führende Politiker und Menschenrechtler gingen davon aus, dass Snowden den Flüchtlingsstatus erhalten werde. Der 30-Jährige hoffe, dann mit neuen Papieren nach Lateinamerika weiterzureisen, teilte die Bürgerrechtlerin Tanja Lokschina von der Organisation Human Rights Watch (HRW) in Moskau mit.

Die russischen Behörden haben nach eigenen Angaben bisher keinen Asylantrag von Snowden erhalten. "Wenn das Gesuch eintrifft, wird es nach der gesetzlichen Ordnung bearbeitet", sagte der Chef der Migrationsbehörde, Konstantin Romodanowski, russischen Agenturen am Samstag in Moskau.

Politisches Asyl sei "unvereinbar mit der russischen Versicherung, keine Verschlechterung der Beziehungen durch Snowden zu wollen", sagte US-Regierungssprecher Jay Carney noch vor dem Telefonat der beiden Präsidenten. Carney warf Russland vor, Snowden eine Propagandaplattform zu bieten.

Die USA hatten Russland wiederholt dazu aufgefordert, Snowden auszuliefern. Russland lehnt dies ab. Als offizielle Begründung nennt der Kreml die in den USA angewendete Todesstrafe sowie das Fehlen eines Auslieferungsabkommens zwischen beiden Staaten.

Lesen Sie hier eine Chronologie der gesamten NSA-Affäre.

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rls/dpa/AFP/Reuters