Judenverfolgung Marine Le Pen sorgt mit Aussage für Empörung

Im Juli 1942 trieben französische Polizisten 13.000 Juden zusammen. Die meisten von ihnen starben später in Vernichtungslagern. Marine Le Pen leugnet eine Beteiligung des Landes an diesen Taten - und erntet Kritik.

Präsidentschaftsbewerberin Marine Le Pen hat eine Verantwortung für die Festnahme und Deportation Tausender Juden während des Zweiten Weltkriegs abgelehnt. "Wenn es Verantwortliche gab, dann waren es die, die damals an der Macht waren, es ist nicht Frankreich", sagte Le Pen. Sie verwies damit auf das während des Zweiten Weltkriegs mit Nazideutschland kollaborierende Vichy-Regime.

Französischen Kindern werde beigebracht, sich nur noch an die "dunkelsten Aspekte" der Geschichte des Landes zu erinnern, sagte die Front-National-Chefin. "Ich will, dass sie wieder stolz sind, Franzosen zu sein."

Polizisten hatten im Juli 1942 etwa 13.000 Juden im ehemaligen Pariser Radrennstadion Vel d'Hiv zusammengetrieben. Fast alle der anschließend deportierten Juden wurden in den NS-Vernichtungslagern ermordet.

Erst 1995 bekannte sich der damalige konservative Präsident Jacques Chirac zu der "unauslöschlichen Schuld" Frankreichs gegenüber den Opfern. "Franzosen und der französische Staat" hätten den "verbrecherischen Wahnsinn der Besatzer" unterstützt.

Der jüdische Dachverband Crif warf Le Pen "revisionistische Äußerungen" und eine "Beleidigung Frankreichs" vor. Der parteilose Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron sprach von einem "schwerwiegenden Fehler" der Front-National-Chefin.

Chiracs Vorgänger Charles de Gaulle und François Mitterrand hatten ein solches Eingeständnis ebenfalls stets abgelehnt. Sie argumentierten, dass das Vichy-Regime nicht Frankreich repräsentiert habe. An die Haltung der beiden früheren Präsidenten erinnerte am Sonntagabend auch Marine Le Pen und erklärte in einer Stellungnahme: "Das Vichy-Regime war nicht Frankreich." Es sei vielmehr "illegal" gewesen.

mho/dpa
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