Jugoslawien Massive Protest gegen Schließung einer Radiostation

Am Wochenende haben tausende Demonstranten in Südserbien gegen die die Schließung einer weiteren, der insgesamt siebten nicht-staatlichen Rundfunkstation demonstriert


Belgrad - Angestellte von Radio Television Kraljevo berichteten, dass vier Männer, die sich als Mitarbeiter des Ministeriums für Telekommunikation ausgaben, Sendeausrüstung abtransportiert hätten. Zur Begründung habe es geheißen, dass die Station das Recht auf ihre Sendefrequenzen verwirkt habe.

Etwa 10.000 Menschen gingen in Kraljevo am Samstag auf die Straße. Sie protestierten gegen den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic und forderten die Rückgabe der Sendeausrüstung. Das Programm, das zuvor etwa eine Million Menschen erreichte, kann nun nur noch im Stadtzentrum von Kraljevo, rund 110 Kilometer südlich der Hauptstadt Belgrad, empfangen werden. Radio Television Kraljevo wurde von der oppositionsgeführten Stadtverwaltung betrieben. Es ist bereits der siebte Sender, den die Belgrader Regierung schließen ließ.

In Belgrad forderte die oppositionelle Demokratische Partei die schnelle Bildung von Krisenkomitees in den Städten, um Radiostationen vor dem Zugriff der Behörden zu schützen. Die Oppositionsparteien müssten gemeinsam die Pressefreiheit schützen, hieß es in einer Erklärung. Die Bewegung für ein Demokratisches Serbien forderte alle Bürger, Parteien und Organisationen auf, der Tyrannei des Regimes starken Widerstand entgegenzusetzen. Der serbische Informationsminister Aleksandar Vucic erklärte, alle nicht-staatlichen Medien seien proamerikanisch eingestellt und erhielten Unterstützung aus westlichen Ländern, mit dem Ziel, Serbien als unabhängigen Staat zu zerstören.



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