Jugoslawien Milosevic will Streikführer verhaften lassen

Jetzt soll die Justiz gegen Streikende und Opposition in Jugoslawien vorgehen. Erneut demonstrierten zehntausende gegen das Regime von Slobodan Milosevic.


Der Protest gegen Milosevic geht unvermindert weiter
REUTERS

Der Protest gegen Milosevic geht unvermindert weiter

Belgrad - Ein Staatsanwalt in Belgrad beschuldigte elf Streikführer des Kohlebergwerks Kolubara und zwei Oppositionspolitiker der Sabotage und forderte ihre Festnahme. Das meldete das staatliche jugoslawische Fernsehen. Die beiden Politiker hatten das Bergwerk besucht. Der Bericht sorgte in Kolubara für Unruhe, wo 4500 Arbeiter seit Freitag mit einem Streik Milosevic zum Rücktritt zwingen wollen. Das Bergwerk ist der wichtigste Kohlelieferant für das Kraftwerk Obrenovac, das die Hauptstadt Belgrad mit Strom versorgt.

Die serbischen Elektrizitätswerke begannen am Dienstag mit der Rationierung der Stromlieferungen. Sie hatten bereits am Sonntag Lieferbeschränkungen für Großkunden mit der Begründung angekündigt, dem Kraftwerk Obrenovac gehe die Kohle aus. Das E-Werk deckt normalerweise die Hälfte des serbischen Strombedarfes. Am Sonntag hatte die Streikleitung des Tagebaus berichtet, drei der sechs Turbinen hätten abgestellt werden müssen.

Im Bergwerk und in der nahe gelegenen Stadt Lazarevac versammelten sich wie auch in anderen serbischen Städten zehntausende von Menschen. Sie fordern den Rücktritt von Präsident Milosevic, der nach Zählungen der Opposition die Präsidentenwahl am 24. September verloren hat. In Belgrad gab es mehrere Demonstrationen gegen Milosevic. In Novi Sad sperrte die Polizei eine Straße, auf der rund 40.000 Menschen zur Eröffnung einer Brücke marschierten. Die regimekritische Organisation G-17 erklärte, sie habe Beweise für einen Betrug der staatlichen Wahlkommission. Der Sprecher der Gruppe, Miroljub Labus, sagte, er und seine Kollegen hätten die offizielle Software und Datenbanken in ihren Besitz gebracht.



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