Jugoslawien Opposition lehnt Stichwahl ab

Zehntausende Jugoslawen haben in vielen Städten erneut den Sieg von Oppositionsführer Kostunica gefeiert. Eine Stichwahl am 8. Oktober soll es nicht geben.


Anhänger der Opposition feiern den Sieg
AP

Anhänger der Opposition feiern den Sieg

Belgrad - In einer Stellungnahme von Vojislav Kostunica hieß es, der Beschluss der Zentralen Wahlkommission sei ein "politischer Betrug" und "offensichtlicher Diebstahl der Wählerstimmen". Vladan Batic, einer der Führer der Demokratischen Opposition (DOS), sagte dem Belgrader Sender Radio Index: "Für uns gibt es keine Stichwahl". Er rief die Bevölkerung zur Besonnenheit und Vorsicht vor Provokationen und die Armee und Polizei zur Achtung des Volkswillens auf.

Die Kommission habe Kostunica 400.000 Stimmen gestohlen und Milosevic 200.000 Stimmen geschenkt, sagte der DOS-Wahlmanager Zoran Djindjic. Die DOS werde eine Stichwahl ablehnen, falls die Kommission für ihre Angaben keine "harten, materiellen Beweise" vorlege. Das Regime spiele mit dem Volkswillen, sagte er.

Nach Angaben der DOS hatte Kostunica 54,6 und Milosevic nur 35 Prozent der Stimmen erhalten. Das von der Wahlkommission genannte vorläufige Ergebnis stützte sich auf einen Stand nach Auszählung der Stimmen in etwa 96 Prozent aller Wahllokale. Die Wahlbeteiligung lag offiziell bei 64 Prozent.

Kämpft um den Sieg: Kostunica
AP

Kämpft um den Sieg: Kostunica

Die Sozialisten und die Jugoslawische Linke (JUL) um Präsident Slobodan Milosevic beanspruchten weiterhin für sich einen Sieg bei der Parlamentswahl. Sie will auch die neue Bundesregierung stellen. Nach Angaben der staatlichen Wahlkommission kam Kostunica bei der Präsidentenwahl am Sonntag auf 48,22 Prozent und Milosevic auf 40,23 Prozent.

US-Präsident Bill Clinton erklärte, Milosevic habe mit dem Ausgang der Wahl "den letzten Bruchteil seiner Legitimität verloren". Das jugoslawische Volk habe trotz der weit verbreiteten Regelwidrigkeiten bei der Wahl "klar" für einen Wechsel gestimmt, so Clinton.

Ein US-Hubschrauber startet vom Flugzeugträger "USS Austin"
REUTERS

Ein US-Hubschrauber startet vom Flugzeugträger "USS Austin"

Mehrere serbische oppositionelle Parteien berichteten über eine Mobilisierung von Reservisten für die Armee. Die Bürgerallianz Serbiens (GSS) teilte mit, es würden vor allem Aktivisten der Opposition zum Dienst gerufen.

Der britische Außenminister Robin Cook erinnerte Milosevic daran, dass der Westen ansehnliche Streitkräfte in der Region stationiert hat. Dies sollte Milosevic eine Warnung sein, sagte Cook in einem Fernsehinterview. Britische Kriegsschiffe hielten vor der Küste von Montenegro Manöver ab.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.