Internes Dokument Ecuador erlaubt Assange offenbar Netzzugang unter strengen Auflagen

Der WikiLeaks-Gründer soll wieder Zugang zum Internet bekommen - solange er sich aus der Politik heraushält. Das belegt einem Medienbericht zufolge ein internes Dokument, das auch den Umgang mit seinem Haustier regelt.

WikiLeaks-Gründer Julian Assange
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WikiLeaks-Gründer Julian Assange


Ecuadors Regierung hat sich bereiterklärt, WikiLeaks-Gründer Julian Assange von seinem Botschaftsexil in London die Verbindung zum Internet wieder zu ermöglichen, sofern er sich an eine neunseitige Liste an Vorgaben hält. Das berichtet die ecuadorianische Website "Codigo Vidrio" unter Berufung auf ein internes Botschaftsdokument.

In dem Schreiben heißt es unter anderem, Assange sei es verboten, sich in die "inneren Angelegenheiten anderer Staaten" einzumischen oder Maßnahmen zu ergreifen, die "Ecuadors gute Beziehungen zu anderen Ländern gefährden könnten".

Gleichzeitig werden seine Besucher demnach künftig stärker überprüft und müssen sich mehrere Tage vor ihrem Kommen beim Botschafter anmelden. Das Dokument enthält außerdem Vorschriften für Assanges eher unpolitische Angelegenheiten, etwa dass er die Botschaft sauber zu halten habe und sich um sein Haustier kümmern solle.

Andernfalls werden es konfiziert. Die Nachrichtenagentur AP berichtet, Assange halte eine Katze in der Botschaft; eine Katze ist auch auf mehreren Bildern in der Botschaft zu sehen.

Katze in der equadorianischen Botschaft
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Katze in der equadorianischen Botschaft

Zwar konnte das Dokument zunächst nicht verifiziert werden, "Codigo Vidrio" ist aber bekannt dafür, Interna aus der Botschaft zu veröffentlichen.

Hier können Sie die veröffentlichte Version (Spanisch) einsehen.

Ecuadors Botschaft hatte Assange im März sämtliche Kommunikationsmittel gesperrt. Assange hatte zuvor im Kurzbotschaftendienst Twitter die britischen Schuldzuweisungen gegenüber Russland im Fall Skripal infrage gestellt. Auch die Festnahme des ehemaligen katalanischen Regierungspräsidenten Carles Puigdemont in Deutschland hatte er kritisiert. Seitdem hatte es zusehends Spannungen zwischen Assange und seinen Gastgebern gegeben.

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Julian Assange: Der WikiLeaks-Gründer in Bildern

Assange war 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflohen, um einer Auslieferung an Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen zu entgehen. Die Stockholmer Staatsanwaltschaft legte den Fall vergangenes Jahr zu den Akten. Allerdings besteht nach wie vor ein britischer Haftbefehl, weil Assange 2010 gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben soll.

Der Australier befürchtet, an die USA überstellt zu werden, wo ihm ein Prozess wegen Geheimnisverrats und womöglich sogar die Todesstrafe droht. Die von ihm mitgegründete Enthüllungsplattform Wikileaks hatte 2010 geheime Dokumente des US-Militärs veröffentlicht.

ans/AFP/AP

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