Großbritannien Britische Politiker wollen Assange an Schweden ausliefern

2010 beschuldigen zwei Frauen aus Schweden Julian Assange der Vergewaltigung. Zahlreiche britische Abgeordnete fordern nun, den WikiLeaks-Gründer dorthin auszuliefern, falls ein entsprechender Antrag gestellt wird.

Gefängnis Belmarsh in London: Derzeit wird Assange hier festgehalten
Daniel Leal-Olivas/AFP

Gefängnis Belmarsh in London: Derzeit wird Assange hier festgehalten


Britische Parlamentsabgeordnete fordern, WikiLeaks-Gründer Julian Assange nach Schweden auszuliefern, falls die schwedischen Behörden einen entsprechenden Antrag stellen. In einem Brief an den britischen Innenminister erklärten mehr als 70 Parlamentarier, Großbritannien müsse deutlich machen, dass es die Verfolgung sexueller Straftaten ernst nehme. Assange droht in Schweden eine Wiederaufnahme von Ermittlungen wegen Vergewaltigungsvorwürfen.

Bislang hat Schweden die Auslieferung des 47-Jährigen nicht beantragt. Die USA, die Assange wegen Verschwörung zur Attacke auf Regierungscomputer angeklagt haben, stellten dagegen ein Auslieferungsgesuch. Sollte Schweden ebenfalls ein Gesuch stellen, müsste nach britischem Gesetz der Innenminister entscheiden, welcher Antrag Vorrang hat.

Klägerin in Schweden müsse "Gerechtigkeit erfahren"

Assange war im Jahr 2010 in Schweden von zwei Frauen wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs angezeigt worden. Die Stockholmer Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen 2017 zu den Akten gelegt, weil der in London im Botschaftsexil lebende Assange für sie nicht erreichbar war. Nach der Festnahme von Assange am Donnerstag forderte ein mutmaßliches Opfer des WikiLeaks-Gründers eine Wiederaufnahme des Verfahrens.

Die britischen Abgeordneten betonten, bei ihrer Forderung handele es sich nicht um eine "Vorverurteilung" des 47-Jährigen. Aber die Klägerin in Schweden müsse "Gerechtigkeit erfahren". Das Schreiben ging auch an Diane Abbott, Schatten-Innenministerin der Labour-Partei. Kein Vergewaltigungsvorwurf dürfe ignoriert werden, erklärte Abbott auf Twitter. Allerdings hätten bislang nur die USA einen Auslieferungsantrag gestellt. Labour lehne die Auslieferung Assanges an die USA ab.

Bis zu fünf Jahre Haft in den USA

Assange war am Donnerstag nach sieben Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London festgenommen worden. Die Regierung von Ecuador hatte zuvor das politische Asyl für den 47-Jährigen aufgehoben, der wegen der Veröffentlichung geheimer US-Dokumente vielen in den USA als Staatsfeind gilt.

CNN; SPIEGEL ONLINE

In Großbritannien droht Assange wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen bis zu ein Jahr Haft. In den USA muss er im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Verschwörung zum Angriff auf Regierungscomputer mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen.

jme/AFP

insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
neutralfanw 13.04.2019
1. Wie immer ...
Da ist sie wieder die britische Entschlossenheit bzw. Entscheidungsfreudigkeit. Es wäre die eleganteste und einfachste Lösung für London, den Herrn nach Schweden auszuliefern. Dann hat man ihn nicht in die USA ausgeliefert und Schweden hätte das Problem, sich mit den USA auseinander setzen zu müssen. Clever!
jewill 13.04.2019
2. Macht Sinn
An der Stelle der Briten, würde ich Assange auch an die Schweden ausliefern, dann müssen sie nämlich nicht entscheiden, ob sie ihn an die USA ausliefern. Eine Auslieferung an die USA löst einen mächtigen Shitstorm aus, den können die britischen Politiker im Moment gar nicht brauchen. Wenn man ihn aber nicht ausliefert, sind die USA sauer - obwohl Trump vielleicht nicht. Die Frage ist, ob die Schweden den Briten das Problem abnehmen wollen?
protagon 13.04.2019
3. Der Autor
... weiß vermutlich sehr genau dass der deutsche Rechtsbegriff ‚Vergewaltigung‘ nichts mit den Vorwürfen gegen Herrn Assange zu tun hat. Wer noch Zweifel hat an der absoluten Korrumpierung der Leitmedien sollte die Berichterstattung zum Fall mal kritisch untersuchen.
romeov 13.04.2019
4. Der Mensch als Ware
..die man schnell mal entsorg. Am besten nach Schweden, dann ist man ihn los und kann die Hände in Unschuld waschen. Die Schweden werden ihn dann schon unter irgendeinem Vorwand in die USA verscherbeln.
denkpanzer 13.04.2019
5.
Entscheiden sowas nicht die Richter? Die Politiker können sich noch nicht mal auf einen Brexit einigen, juristische Dinge sollten sie erst recht den Profis überlassen.
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