WikiLeaks-Gründer Assange Schwedin fordert neue Ermittlungen wegen sexueller Vergehen

Die Schuldfrage wurde nie geklärt: Die Frau, die Julian Assange sexueller Vergehen beschuldigt, will eine neue Bewertung des Falls - und fordert, dass der WikiLeaks-Gründer nach Schweden ausgeliefert wird.

Jack Taylor/ Getty Images

Sieben Jahre dauerten die Ermittlungen gegen Julian Assange in Schweden an, 2017 wurden sie schließlich eingestellt. Doch nun will die Frau, die dem WikiLeaks-Gründer Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vorwirft, dass der Fall noch einmal neu aufgerollt wird.

Nach der Verhaftung von Assange in London teilte die Anwältin der Schwedin mit, sie werde daran arbeiten, dass die Staatsanwaltschaft die vorläufigen Ermittlungen in Schweden wieder aufnehme. Ziel sei es, dass Assange nach Schweden ausgeliefert und strafrechtlich verfolgt werden könne, hieß es in einer E-Mail der Anwältin Elisabeth Massi Fritz an die Deutsche Presse-Agentur.

Assange war vorgeworfen worden, 2010 zwei Frauen in Schweden vergewaltigt und sexuell genötigt zu haben. Er sprach von einem politisch motivierten Verfahren und von einvernehmlichem Sex. Die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen schließlich eingestellt. Staatsanwältin Marianne Ny sagte dazu auf einer Pressekonferenz in Stockholm: "Wir haben die Entscheidung, die Ermittlungen nicht weiterzuführen, nicht getroffen, weil wir alle Beweise in diesem Fall ausgewertet haben, sondern weil wir keine Möglichkeiten sehen, die Ermittlungen weiter voranzubringen". Die Schuldfrage sei damit aber nicht geklärt.

Assange lebte seit 2012 unter Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London, um einer Auslieferung zu entgehen. Von Schweden aus, so fürchtete Assange, könnte er weiter an die USA überstellt werden - weil WikiLeaks geheime Dokumente des US-Militärs veröffentlicht hatte. Am Donnerstag wurde er von der britischen Polizei festgenommen, nachdem die Regierung Ecuadors das diplomatische Asyl aufgehoben hatte.

Staatsanwältin Ingrid Isgren wollte zunächst nicht kommentieren, wie sich der Fall angesichts dessen nun weiterentwickeln könnte. Grundsätzlich könne eine vorläufige Untersuchung wieder aufgenommen werden, solange der Tatverdacht nicht verjährt ist. In dem Fall, dem Tatverdacht der Vergewaltigung, laufe die Frist Mitte August 2020 ab.

Im Video: Jagd auf Julian Assange - WikiLeaks und die "Sex-Falle"? (05.12.2010)

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vks/dpa



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