WikiLeaks-Gründer vor Gericht Assange schuldig gesprochen für Verstoß gegen Kautionsauflagen

Julian Assange soll in Großbritannien gegen seine Kautionsauflagen verstoßen haben. Ein Gericht sprach ihn deshalb kurz nach seiner Festnahme in London schuldig. Ihm droht eine Freiheitsstrafe.

Assange nach seiner Festnahme
Henry Nicholls/ REUTERS

Assange nach seiner Festnahme


Nur wenige Stunden nach seiner Festnahme in der ecuadorianischen Botschaft in London wurde WikiLeaks-Gründer Julian Assange vor Gericht gestellt. Dort wurde er für schuldig befunden, gegen seine Kautionsauflagen verstoßen zu haben. Dafür droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu zwölf Monaten. Assange selbst plädierte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters auf nicht schuldig.

Assanges Anwalt hatte vor Gericht argumentiert, der heute 47-Jährige habe sich den Behörden entziehen müssen, da ihn kein fairer Prozess erwarte und er an die USA ausgeliefert werden solle.

Der Richter am Westminster Magistrates' Court wies das als "lachhaft" zurück. Ein Datum für das Urteil steht noch nicht fest, bis dahin soll Assange in Gewahrsam bleiben. Am 2. Mai soll es vor demselben Gericht um das Auslieferungsgesuch der USA gehen.

Die US-Justiz wirft Assange Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vor. Assange werde beschuldigt, Manning dabei geholfen zu haben, ein Passwort eines Computernetzwerks der Regierung zu knacken, hieß es in einer Mitteilung des Justizministeriums zum US-Auslieferungsantrag an Großbritannien. Im Fall einer Verurteilung droht Assange eine maximale Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

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Manning hatte WikiLeaks im Jahr 2010 - damals noch als Bradley Manning - Hunderttausende geheime Militärdokumente zukommen lassen, die unter anderem Menschenrechtsverletzungen der US-Armee in Afghanistan enthüllt hatten. Sie wurde zu 35 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und von US-Präsident Barack Obama kurz vor Ende seiner Amtszeit begnadigt.

Die Polizei hatte Assange am Donnerstag in der Botschaft Ecuadors festgenommen, wohin er sich vor sieben Jahren aus Furcht vor einer Auslieferung an die USA geflüchtet hatte.

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Die Regierung Ecuadors hob das diplomatische Asyl mit der Begründung auf, Assange habe gegen die Auflagen dafür verstoßen. Ecuadors Präsident Lenin Moreno hatte allerdings betont, die britische Regierung habe schriftlich zugesagt, Assange nicht an ein Land auszuliefern, in dem ihm Folter oder die Todesstrafe drohten. Das bestätigte der Staatssekretär im britischen Außenministerium, Alan Duncan, nochmals: Das gelte "unter allen Umständen", und auch für Assange, sagte er dem Sender Sky News.

vks/dpa

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