WikiLeaks-Gründer Julian Assange zu einem Jahr Gefängnis verurteilt

Julian Assange ist zu 50 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Der Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks hat laut Gericht gegen seine Kautionsauflagen verstoßen.
Julian Assange ballte vor der Urteilsverkündung in London die Faust

Julian Assange ballte vor der Urteilsverkündung in London die Faust

Foto: Daniel LEAL-OLIVAS/ AFP

Weil er gegen seine Kautionsauflagen verstoßen hat, ist WikiLeaks-Gründer Julian Assange zu 50 Wochen Haft verurteilt worden. Das entschied der Southwark Crown Court in London. Andere mögliche Straftatbestände wurden bei diesem Prozess nicht verhandelt.

Vor der Urteilsverkündung zeigte der 47-Jährige bei der Ankunft am Gerichtsgebäude seine geballte Faust. Einige Demonstranten hielten Schilder mit der Aufschrift "Lasst Assange frei" hoch.

Der gebürtige Australier war am 11. April von der britischen Polizei in der Botschaft Ecuadors in London festgenommen worden, nachdem das südamerikanische Land das politische Asyl aufgehoben hatte. Er war 2012 in die diplomatische Vertretung geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. (Lesen Sie hier mehr über Assanges Leben in der Botschaft.) 

Menschen demonstrierten vor dem Gericht für Assange

Menschen demonstrierten vor dem Gericht für Assange

Foto: Daniel Leal-Olivas /AFP

Assange, der die Vorwürfe immer zurückwies, fürchtete, via Schweden in die USA ausgeliefert zu werden. Assanges Anwalt hatte vor Gericht argumentiert, der 47-Jährige habe sich den Behörden entziehen müssen, da ihn kein fairer Prozess erwarte und er an die USA ausgeliefert werden solle. Die Angst vor der Auslieferung in die USA habe den WikiLeaks-Gründer im Griff gehabt.

Lange Zeit hatten die amerikanischen Justizbehörden nicht bestätigt, dass eine Anklage gegen Assange vorliegt. Doch nun könnte seine Befürchtung bald wahr werden: Bereits an diesem Donnerstag soll es erstmals eine Anhörung zum Auslieferungsgesuch der USA geben, das inzwischen vorliegt. Experten zufolge ist aber noch nicht mit wesentlichen Entwicklungen zu rechnen.

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"Die Verurteilung Julian Assanges ist genauso schockierend wie von Rache geleitet. Wir haben große Bedenken, ob er eine faire Verhandlung über seine Auslieferung in Großbritannien bekommen wird", teilte WikiLeaks per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

In einem Brief, der vor Gericht verlesen wurde, brachte Assange Bedauern zum Ausdruck. "Ich entschuldige mich uneingeschränkt bei denen, die der Meinung sind, dass ich sie respektlos behandelt habe in der Weise, wie ich mich verhalten habe", so Assange.

Im Gerichtssaal wurde ein Brief von Assange vorgelesen

Im Gerichtssaal wurde ein Brief von Assange vorgelesen

Foto: Elizabeth Cook/PA Wire/DPA

Die Richterin befand bei der Urteilsverkündung, Assange habe seine "privilegierte Stellung ausgenutzt", um sich über Recht hinwegzusetzen. "Es ist schwer, ein schlimmeres Beispiel dieses Vergehens vorzustellen." Mildernde Umstände sah sie nicht gegeben.

Die USA werfen Assange Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vor, um ein Passwort eines Computernetzwerks der Regierung zu knacken. Manning hatte WikiLeaks 2010 - damals noch als Bradley Manning - Hunderttausende geheime Militärdokumente zukommen lassen. Es geht dabei um die US-Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan. In Schweden hatte die Staatsanwaltschaft im Mai 2017 ihre Ermittlungen eingestellt. Die Anwältin der Frau, die Assange beschuldigt, hat aber die Wiederaufnahme beantragt.

sen/dpa/AFP