WikiLeaks Angeblicher Assange-Mitarbeiter in Ecuador festgenommen

Sicherheitskräfte haben in Ecuador einen Tag nach der Verhaftung von Gründer Assange einen schwedischen Technologieexperten festgenommen. Die Regierung behauptet, er sei Mitarbeiter der Plattform - was aber nicht stimmt.

Solidarität mit Assange im Parlament von Ecuador
AFP

Solidarität mit Assange im Parlament von Ecuador


In Ecuador ist am Donnerstagabend auf dem Flughafen der Hauptstadt Quito ein schwedischer Softwareentwickler festgenommen worden. Der Mann sei ein enger Mitarbeiter der Enthüllungsplattform WikiLeaks, teilte das Innenministerium mit.

Am Donnerstag war Wikileaks-Gründer Julian Assange nach fast siebenjährigem Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London von der britischen Polizei verhaftet worden. Die USA haben die Auslieferung des Aktivisten beantragt.

"In Ecuador gibt es einen Plan der Destabilisierung, der mit geopolitischen Interessen zu tun hat", sagte Innenministerin María Paula Romo nach der Festnahme des Schweden. "Wir haben Beweise für eine Beziehung des nun Festgenommenen zu Ricardo Patiño, der Außenminister war, als Julian Assange das Asyl gewährt wurde."

Der linksgerichtete ecuadorianische Präsident Rafael Correa hatte Assange 2012 das Botschaftsasyl gewährt, weil in den USA kein fairer Prozess zu erwarten sei. Correas Nachfolger Lenin Moreno wollte diesen Zustand jedoch beenden. Er warf Assange vor, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen: Zuletzt tauchten Dokumente auf, die Moreno und seine Familie mit Korruption und Geldwäsche in Verbindung bringen. Moreno behauptet, die Informationen seien von Wikileaks durchgestochen worden, was die Plattform dementiert.

Doch bei dem jetzt verhafteten Mann handelt es sich nach SPIEGEL-Informationen nicht um einen Mitarbeiter von WikiLeaks, sondern um einen schwedischen Crypto-Experten namens Ola Bini. Es deutet vieles darauf, dass die Innenministerin mit der Verhaftung des Schweden den Entzug des Botschaftsasyls für Assange begründen wollte.

In den USA wurde der Australier Assange nach Angaben des Justizministeriums wegen Verschwörung zur Attacke auf Regierungscomputer angeklagt. Dafür drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Die Vorwürfe beziehen sich auf die WikiLeaks-Publikationen Hunderttausender geheimer Regierungsdokumente in den Jahren 2010 und 2011, die der Plattform von der früheren US-Soldatin Chelsea Manning zugespielt worden waren.

Auch die frühere US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton äußerte sich zur Festnahme von Assange in London: Assange müsse Fragen "beantworten, was er getan habe". In der heißen Phase des Wahlkampfs 2016 wurde die Plattform kritisiert, als sie E-Mails aus dem Umfeld von Clinton öffentlich machte. US-Behörden vermuteten, Hacker mit Verbindungen zu Russlands Geheimdienst hätten WikiLeaks das Material zugespielt.

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, der in Ecuador verhaftete Mann sei ein enger Mitarbeiter von WikiLeaks gewesen. Das haben wir geändert.

als/dpa/AP/AFP



insgesamt 27 Beiträge
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The Restless 12.04.2019
1. Herr Moreno hat eine wichtige Lektion gelernt
Wikileaks ist nur so lange nützlich, wie es Informationen über andere verbreitet. Jetzt ist er selbst wegen seiner Korruption dran, da werden Assange & Co. schnell unwillkommen ...
odapiel 12.04.2019
2. Viel interessanter wäre
Viel interessanter wäre mal nachzuhaken, warum nur kurz nachdem Ecuador 4,2 Milliarden Dollar Kredit vom IWF bekommt, Assange von Briten in der Botschaft von Ecuador wegen einer Lappalie verhaftet werden kann. Und gefühlte 10 Minuten später gibts auch den internationalen Haftbefehl der USA, den es 7 Jahre lang angeblich niemals nicht gegeben haben soll. Da besteht sicher keinerlei Zusammenhang, gelle?
gastdiplomat 12.04.2019
3. Correa & Moreno
entspringen der selben Partei. Nach dem knappen Wahlerfolg für Moreno (Correa durfte sich nicht mehr zur Wahl stellen), entpuppte sich Moreno als eine Art trojanisches Pferd und zerstörte die "eigene Partei". Und was heißt denn "linksgerichteter" Präsident Correa? In den 12 Jahren die Rafael Correa regiert hat, wurde für südamerikanische Verhältnisse eine Art soziale Marktwirtschaft feil geboten. Sehr zum Nachteil der Reichen in diesem Land. Zudem war Correa kein Freund von US-Amerika, a) südamerikanisches Land, b) Erdöl. Und weshalb wird das Auslagern von Geld nach Panama (Panama Papers) nur halbherzig als Korruption abgetan? Wie immer generiert SPON tendenziöse Artikel mit entweder schlecht recherchiertem, oder halbwahren Material. Correa lebt jetzt mit seiner Frau in Belgien. Ich hoffe Sie sind in Europa vor ihm sicher. Assange soll angeblich die Verstrickungen Morenos aufgedeckt haben. Die Entwicklung des Falls "Assange", als auch die Abwicklung der letzten Wochen in Ecuador und England, muten seltsam an. Mit Grüßen aus Ecuador!
archivdoktor 12.04.2019
4. Na ja...
Zitat von The RestlessWikileaks ist nur so lange nützlich, wie es Informationen über andere verbreitet. Jetzt ist er selbst wegen seiner Korruption dran, da werden Assange & Co. schnell unwillkommen ...
Wir wissen doch alle, dass der Verrat von einem Teil der Welt immer begrüßt und bejubelt wird - der Verräter wird aber von allen verachtet oder gehasst. Diesmal ist es nicht anders.
frankfurtbeat 12.04.2019
5. die ...
die Geheimdienste der USA könnten das im Hintergrund vorbereitet haben. Assange hat die dreckigen Verbrechen der USA, das wahllose Morden durch GI`s in die Öffentlichkeit gebracht ... natürlich ein Problem wenn man sich gerne im weißen Hemd zeigt.
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