Afghanistan Explosion, Schüsse  und Geiselnahme in Kabul

In Kabul haben sich Angreifer Feuergefechte mit Regierungstruppen geliefert und ein Ministeriumsgebäude gestürmt. 30 Menschen kamen ums Leben

Brennendes Regierungsgebäude in Kabul, Afghanistan
AP

Brennendes Regierungsgebäude in Kabul, Afghanistan


Die afghanische Hauptstadt Kabul ist am Montag von mindestens einer Explosion erschüttert worden. Vor dem Ministerium für Bauwesen sei eine Autobombe detoniert, bestätigte ein Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi.

Eine unbekannte Zahl an Beamten sei zudem als Geiseln festgehalten worden, sagten Rahimi und ein Sprecher der Kabuler Polizei, Basir Mudschahid. Mindestens 26 Zivilisten und ein Polizist seien getötet worden, ebenso drei Angreifer, sagte Rahimi. Weitere 16 Zivilisten und ein Polizist wurden demnach verwundet.

Angreifer hatten nach der Detonation drei nahe gelegene Ministeriumsgebäude gestürmt. Von diesen aus lieferten sie sich Feuergefechte mit Regierungstruppen. Das Gebiet im Osten Kabuls wurde weitläufig abgesperrt.

Mittlerweile seien zwei der drei angegriffenen Gebäude gesichert, sagte Rahimi. Ob sich noch Geiseln in dem dritten Gebäude befänden, sei unklar.

Bereits der 22. große Anschlag in Kabul 2018

Erst am Sonntag wurden in Afghanistan der Verteidigungs- und Innenminister ausgetauscht. Die Sicherheitslage hatte sich in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert. Die afghanische Regierung kontrolliert nur noch wenig mehr als die Hälfte der Bezirke des Landes. Weitere 30 Prozent sind umkämpft.

Asadullah Chalid und Amrullah Saleh, die das Verteidigungs- und Innenressort bis zu ihrer Bestätigung im Parlament geschäftsführend übernehmen, gelten als Hardliner im Kampf gegen die Taliban. Beide leiteten in der Vergangenheit bereits den Geheimdienst NDS.

Am Donnerstag hatten US-Medien berichtet, dass die US-Regierung die Hälfte ihrer 14.000 Soldaten aus Afghanistan abziehen wolle. Die unbestätigten Berichte sorgten für Unruhe bei der afghanischen Regierung, Bevölkerung und bei den Nato-Bündnispartnern in Afghanistan, darunter auch Deutschland.

In diesem Jahr hatten bereits 21 große Anschläge die afghanische Hauptstadt erschüttert. Dabei starben mehr als 500 Menschen, mindestens 999 wurden verletzt. Den Großteil der Anschläge hatte die Terrormiliz "Islamischer Staat" für sich reklamiert

wbr/apr/dpa/Reuters

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