Kabul Gerüchte um baldige Freilassung von Abdul Rahman

Im Fall des wegen seines Übertritts zum Christentum angeklagten Afghanen Abdul Rahman scheint sich ein glücklicher Ausgang anzubahnen. In Kabul soll sich morgen das Kabinett mit dem Rechtsstreit befassen. Inzwischen mehren sich Meldungen, er könne bald freikommen.


Kabul - Die Regierung in Kabul wandte sich heute Abend mit der Neuigkeit an die Öffentlichkeit. Morgen solle eine Sondersitzung des Kabinetts zum Fall Abdul Rahman stattfinden. "Das Thema soll vom Tisch", sagte ein Regierungssprecher zu SPIEGEL ONLINE. Nachrichtenagenturen und die britische BBC berichten, Abdul Rahman könnte bald freigelassen werden. Sie beziehen sich dabei auf einen ungenannten hohen Regierungsbeamten. Bestätigt ist diese Meldung bislang allerdings nicht.

Auch die US-Regierung hat bislang keine offizielle Bestätigung für eine baldige Freilassung Rahmans. Es gebe Gerüchte, aber nichts Offizielles zu berichten, sagte Außenministerin Condoleezza Rice heute in Washington. Die US-Regierung habe dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai aber in der schärfst möglichen Form klargemacht, dass Glaubensfreiheit ein Kern der Demokratie sei.

Nach großem internationalem Druck hatte Karzai bereits gestern versichert, dass keine Gefahr für Rahmans Leben bestehe. Der afghanische Präsident habe ihm dies in einem Telefonat persönlich zugesichert, berichtete der kanadische Premierminister Stephen Harper in Ottawa.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in einem Gespräch  mit dem afghanischen Präsidenten persönlich ihre Besorgnis über die Abdul Rahman drohende Todesstrafe ausgedrückt. US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte sich ebenfalls an den afghanischen Präsidenten gewandt. Sie habe Karzai die Besorgnis Washingtons über den Fall mit deutlichen Worten klar gemacht, sagte Rice nach einem Telefonat.

Geistliche fordern indes weiterhin die Todesstrafe für den Mann. Abdul Rahman habe "die größte Sünde begangen", indem er zum Christentum übergetreten sei, erklärte etwa der Geistliche Abdul Raulf bei einer Predigt in der Herati-Moschee in Kabul. "Gottes Weg ist der richtige Weg, und dieser Mann ist ein Glaubensabtrünniger", sagte der Prediger vor etwa 150 Gläubigen.

Der 41-Jährige, der lange in Deutschland gelebt hatte, war vor zwei Wochen in seiner Heimat festgenommen worden. Wegen Abfalls vom Glauben droht ihm die Todesstrafe.

ler/mgb/AFP/AP



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