Kabul Italienische Soldaten und Zivilisten sterben bei Anschlag auf Nato-Militärfahrzeug

Blutiger Angriff auf ein Nato-Militärfahrzeug im Zentrum Kabuls: Bei einem Selbstmord-Anschlag kamen mindestens sechs italienische Soldaten und zehn Zivilisten ums Leben. Mehr als 50 Menschen wurden verletzt. Italiens Regierungschef Berlusconi will die Truppen nun "schnellstmöglich" abziehen.

Selbstmordanschlag in Kabul: Mindestens 16 Tote
AP

Selbstmordanschlag in Kabul: Mindestens 16 Tote


Kabul - Bei einem Selbstmordattentat in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Donnerstag sechs italienische Soldaten sowie mindestens zehn Zivilisten getötet worden. Mindestens 55 weitere Menschen wurden nach Angaben eines Sprecher des Innenministeriums verletzt.

Ein Selbstmordattentäter rammte einen italienischen Militärkonvoi und zündete den Sprengsatz. Dutzende Fahrzeuge brannten. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE versuchten mehrere Mitglieder der Isaf-Truppen, die Opfer aus den brennenden Fahrzeugen zu befreien. Augenzeugen berichten von vielen Toten, die nach der Attacke auf der Straße lagen. Bei dem Anschlag wurden 21 Geschäfte sowie mehrere Autos zerstört.

Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Ziel seien die ausländischen Truppen in Afghanistan gewesen, sagte ein Sprecher der radikalen Islamisten.

Der Anschlag ereignete sich auf einer Straße, die die US-Botschaft mit dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt verbindet und oft von ausländischen Militärkonvois genutzt wird. Unweit des Ortes befinden sich zahlreiche Vertretungen. Kurz vor der Explosion hatte der afghanische Staatschef Hamid Karzai eine Pressekonferenz im ebenfalls nahe gelegenen Präsidentenpalast abgehalten.

Es war der vierte größere Anschlag in Kabul innerhalb von fünf Wochen. Zu dem Anschlag am 8. September in der Nähe des Eingangs zum Militärflughafen bekannten sich ebenfalls die radikalislamischen Taliban.

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi reagierte umgehend auf den Anschlag: "Wir sind alle überzeugt, dass wir Afghanistan schnellstmöglich verlassen müssen", sagte er am Rande des EU-Sondergipfels in Brüssel. Dies könne Italien aber nicht alleine entscheiden, sondern müsse es mit seinen Verbündeten absprechen - "sonst werden wir das Vertrauen der anderen Länder verraten."

"Das ist ein schmerzhafter Tag für Italien", sagte Berlusconi zu dem Attentat. Rom habe bereits vor dem Attentat "eine starke Reduzierung" seiner Truppen vorgesehen gehabt. "Wir werden auf diesem Weg weitergehen." Die in Italien mitregierende rechtspopulistische Lega Nord hatte zuvor einen Abzug bis Weihnachten verlangt. Berlusconi sagte dazu, bisherige Abzugspläne könnten beschleunigt werden, "sobald der Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte es erlaubt".

anr/AFP/Reuters



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