Polizei-Zentrale Kabul Geiselnahme beendet - alle Angreifer getötet

Der Angriff auf die Zentrale der Verkehrspolizei in Kabul ist beendet. Fünf Taliban wurden von Sicherheitskräften erschossen. Zuvor hatten sie sich in dem Gebäude verschanzt und offenbar auch Geiseln genommen.

Qualm über Kabul: Schwere Attacke in Afghanistans Hauptstadt
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Qualm über Kabul: Schwere Attacke in Afghanistans Hauptstadt

Von Shoib Najafizada, Kabul


Kabul - Nach acht Stunden Nervenkrieg haben die afghanischen Sicherheitskräfte eine Attacke mit Geiselnahme im Hauptquartier der Verkehrspolizei in der afghanischen Hauptstadt Kabul blutig zu Ende gebracht. Bei dem Einsatz kamen drei Polizisten ums Leben. Alle fünf Angreifer überlebten die Aktion ebenfalls nicht.

Am Morgen hatte der Angriff mit einem Selbstmordanschlag begonnen, entwickelte sich später aber zum Geiseldrama. Wie aus Polizeikreisen verlautet, hatten sich die Angreifer mit Gefangenen in dem Gebäude verschanzt. Ihre Telefone waren offenbar ausgeschaltet.

Hubschrauber kreisten über dem Areal, immer wieder gab es Detonationen, Schüsse fielen. Zudem hatten sich Mitglieder einer Spezialeinheit der Nato vor dem Gebäude aufgestellt. Ob sie eingegriffen haben, ist bisher noch unklar.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters waren zahlreiche Selbstmordattentäter in den Komplex eingedrungen. Von dort stieg Rauch auf. Es war bereits die zweite Attacke eines Kommandos der Taliban binnen weniger als einer Woche.

Innenministeriumssprecher Sedik Sediki sagte, der Angriff habe mit einer Autobombe in der Nähe des Gebäudes begonnen. Danach habe es mehrere kleinere Explosionen gegeben. Nach seinen Angaben erlitten bis zu 16 Polizisten und Soldaten Verletzungen. Zivilpersonen kamen nicht zu Schaden. Die größeren Straßen in dem Areal wurden abgeriegelt, darunter die Zufahrt zum Parlament.

Ein Sprecher der radikalislamischen Taliban bekannte sich zu den Angriffen. Eine Gruppe von Selbstmordattentätern habe mehrere Polizei- und Militäreinrichtungen sowie ein US-Trainingszentrum angegriffen, teilte er in einer SMS an die Nachrichtenagentur AFP mit: "Heute um 5 Uhr morgens ist eine Gruppe von Märtyrern in ein Regierungsgebäude eingedrungen. Es gibt heftige Kämpfe", heißt es in der Nachricht.

Erst am Mittwoch vergangener Woche hatten die Taliban die Zentrale des afghanischen Geheimdienstes NDS in Kabul angegriffen. Dabei waren nach Angaben der Behörden alle sechs Angehörigen des Selbstmordkommandos und ein Wachmann getötet worden. 30 Zivilisten waren verletzt worden.

Der Angriff auf die NDS-Zentrale war der erste Anschlag dieses Jahres in Kabul, nachdem es in der Hauptstadt mehr als vier Wochen lang ruhig gewesen war. Nach Angaben der Internationalen Schutztruppe Isaf kommt es in Kabul zu weniger als einem Prozent aller landesweiten Angriffe Aufständischer.

mit Material von AFP und dapd



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alBab 21.01.2013
1. das ist ein Vorgeschmack ...
(und es ist meine feste Überzeugung und keine bösartige Ironie): und eine Demonstration dessen, was wenige Tage nach dem Verlassen der "Koalition des so genannten guten Willens und der Hype nach New York" passieren wird. Die Taliban werden dieses Land beherrschen, nachdem sie das Regime und seine "toll geschulte Armee" innert kürzester Zeit hinweggefegt haben. In ein paar Jahren wird man sagen: "viel Lärm, viel Leid, viel Tod um nichts". Eben Afghanistan. Das nicht verstanden wurde. Vor allen Dingen nicht von den US Amerikanern...
kf_mailer 21.01.2013
2. so ist das
wenn man vergisst rechtzeitig den Schutzzoll für die Taliban zu zahlen. Die Freiheit wird in Afghanistan verteidigt. diese Lügner und Verbrecher, die das behaupteten gehören in den Knast.
Hermes75 21.01.2013
3.
Zitat von sysopDPAEine Rauchsäule stand über der Stadt, stundenlang gab es Feuergefechte: Die radikalislamischen Taliban haben das Hauptquartier der Verkehrspolizei in Kabul attackiert. Mehrere Attentäter starben bei der Attacke, weitere könnten sich noch auf dem Gelände verstecken. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kabul-taliban-stuermen-zentrale-der-verkehrspolizei-a-878693.html
Dass die Taliban zu solchen Selbstmordaktionen greifen, zeigt eigentlich nur wie schwach sie sind. Zum Terrorismus greift nur, wer keine andere Chance sieht seine Ziele zu erreichen. Diesen Banditen darf man das Land nicht ein zweites Mal überlassen.
fuchs008 21.01.2013
4. Außer Spesen nichts gewesen.
Die Rüstungsindustrie hatte Umsatz, ein paar Offizierskarrieren wurden beschleunigt, das wars. Die Taliban übernehmen das Land sobald die ausländischen Truppen weg sind. Vielleicht auch schon vorher. Und dafür wurden wieviel Milliarden Steuergelder verschwendet? Und bitte nicht vergessen: Dieser überflüssige Krieg wurde von Rot/Grün gewollt. Dieselben Parteien, die sich auch jetzt wieder für Kriegseinsätze in Afrika begeistern.
Red-Mercury 21.01.2013
5. Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt.
So der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck. Leider ist S. vor gut einem Monat verstorben und kann den Abzug, der NATO - Demokratieverteidiger nicht mehr erleben. Nach dem Abzug kehrt die Demokratie ein und die Chinesen bauen die seltenen Erden ab. Es lebe die DEMOKRATIE..........!
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