Katastrophe von Smolensk Polen klagt russische Offiziere wegen Flugzeugunglück an

Polens Staatschef Kaczynski starb im April 2010 bei einem Flugzeugabsturz in Russland. Jetzt erhebt Warschau Anklage gegen zwei für die Luftraumüberwachung verantwortliche Russen - das dürfte die Spannung mit Moskau verschärfen.

Absturzstelle im April 2010: Polen klagt russische Offiziere an
REUTERS

Absturzstelle im April 2010: Polen klagt russische Offiziere an


Warschau - Fünf Jahre nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine in Russland rollt die polnische Justiz den Fall wieder auf: Zwei Offiziere der russischen Luftraumüberwachung sollen sich wegen der Katastrophe vor Gericht verantworten, teilte Staatsanwalt Ireneusz Szelag mit. Am 10. April 2010 war Staatschef Lech Kaczynski beim Absturz der Präsidentenmaschine nahe dem russischen Smolensk ums Leben gekommen.

Bei dichtem Nebel war die Tupolew 154 M in eine Baumgruppe gerast und zerborsten, an Bord der Unglücksmaschine waren 96 Menschen. Das Unglück ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt und brachte etliche Verschwörungstheorien hervor.

Zudem haben sich die polnisch-russischen Beziehungen seit dem Absturz dramatisch verschlechtert. Die Anklage der polnischen Justiz dürfte die durch die Ukraine-Krise zusätzlich belastete Stimmung zwischen Warschau und Moskau weiter verschlechtern.

Bei den Ermittlungen nach der Katastrophe war es zu einer Reihe von Pannen gekommen: Der auf polnischer Seite federführenden Militärstaatsanwaltschaft wurde vorgeworfen, aus Dilettantismus oder bösem Willen die Wahrheit zu verschleiern. Selbst der sozialistische Abgeordnete Ryszard Kalisz, ein bekennender Kaczynski-Gegner, erklärte die Staatsanwälte für unfähig.

Auch die russischen Ermittler haben zahlreiche Fehler gemacht. So fehlte im Abschlussbericht der russischen Untersuchungskommission aus dem Januar 2011, dass der Militärflughafen in Smolensk für eine Landung bei dichtem Nebel ungeeignet war. Zudem versorgten die Lotsen das Cockpit mit falschen Daten und warnten die Piloten zu spät.

mxw/AP/Reuters

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n.nixdorff 27.03.2015
1. Entschärfte Version
Ich halte beide Seiten gleichermaßen für verantwortlich. Die Russen wegen mangelnder und falscher Informationen, was bewiesen ist. Die Polen weil sie vermutlich auf Anweisung Kaczynskis um jeden Preis landen wollten, was wohl nie bewiesen werden kann. Leider wird sicher in Abwesenheit verhandelt werden müssen, und dass Russland an der Aufklärung mitarbeitet, darf man nicht erwarten. Auf eine Verschlechterung der Beziehungen zu Russland pfeifen die Polen zu Recht, die würden sich auch nicht verbessern, wenn keine Anklage erhoben würde. Zur Erinnerung: In Smolensk kam nicht nur der polnische Präsident, sondern auch ein guter Teil der damaligen polnischen Elite ums Leben. Was wäre wohl losgewesen, wenn den Russen solch einen Unfall in Polen unter ähnlich dubiosen Umständen widerfahren wäre?
karavan 27.03.2015
2.
Zitat von n.nixdorffIch halte beide Seiten gleichermaßen für verantwortlich. Die Russen wegen mangelnder und falscher Informationen, was bewiesen ist. Die Polen weil sie vermutlich auf Anweisung Kaczynskis um jeden Preis landen wollten, was wohl nie bewiesen werden kann. Leider wird sicher in Abwesenheit verhandelt werden müssen, und dass Russland an der Aufklärung mitarbeitet, darf man nicht erwarten. Auf eine Verschlechterung der Beziehungen zu Russland pfeifen die Polen zu Recht, die würden sich auch nicht verbessern, wenn keine Anklage erhoben würde. Zur Erinnerung: In Smolensk kam nicht nur der polnische Präsident, sondern auch ein guter Teil der damaligen polnischen Elite ums Leben. Was wäre wohl losgewesen, wenn den Russen solch einen Unfall in Polen unter ähnlich dubiosen Umständen widerfahren wäre?
soweit ich mich erinnern kann, es war (anhand von Blackbox-Aufnahmen?) relativ klar, dass gerade Kaczynski die realitätsferne Anweisungen an den Piloten gegeben haben soll. Was letztendlich die Maschine zum Absturz gebracht hat.
n.nixdorff 27.03.2015
3. Nein.
Zitat von karavansoweit ich mich erinnern kann, es war (anhand von Blackbox-Aufnahmen?) relativ klar, dass gerade Kaczynski die realitätsferne Anweisungen an den Piloten gegeben haben soll. Was letztendlich die Maschine zum Absturz gebracht hat.
Ich habe mir eben noch einmal das Blackbox-Protokoll durchgelesen (http://www.das-polen-magazin.de/absturz-von-smolensk-abschrift-der-blackbox-aufzeichnungen-in-polen-veroeffentlicht/), eine Anweisung Kaczynskis ist nicht belegt. Die Auswertung der Blackbox erfolgte in Russland, so ist ausgeschlossen, dass Polen die Aufzeichnungen zu Gunsten des verstorbenen Präsidenten manipuliert haben könnte. Dennoch kann ich mir sehr gut vorstellen, dass da ordentlich Druck auf die Piloten ausgeübt wurde. Dennoch halte ich die im letzten Absatz des SPON-Artikels genannten Versäumnisse für ursächlich.
p-muellerzh 27.03.2015
4. Peinlich
Der Polnische Pilot wurde schon in Minsk gewarnt, dass starker Nebel ist. Dass auf dem Militärflughafen kein ILS vorhanden ist, ist völlig normal. Leider hatte die Polnische Maschine relaiv unerfahrene Piloten. Der beste hatte 1500 Std, dann etwa 600 und jemand mit etwa 70. In Deutschland fliegt so jemand keine Kanzlermaschine. 3000 Std sind das untere Minimum. Die Piste war mehr als ausreichend um zu landen - wenn man nicht direkt in die Bäume geflogen wäre. Gestreift ist ein Witz bei 400 km Geschwindigkeit. Die TU-154 kann jederzeit auf Schnee und unbefestigten Installationen landen und starten. http://forum.avsim.net/topic/354712-tupolev-tu-154m-toughest-airliner/
chefchen1 27.03.2015
5. Pilotenfehler
Schlußendlich war es ein Pilotenfehler. Der Pilot - also der Flugkapitän - ist verantwortlich für seine Maschine. Aus welche Gründen auch immer - er ignorierte die Warnungen des Kontrollsystems, er versuchte einen Sichtanflug bei dichtem Nebel. Dass die Instrumentenlandesysteme inkompatibel sind und daher nur die Sichtlandung gegeben war, wußten die Flugzeugführer.
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