Kämpfe in Aleppo Regime propagiert Rückeroberung von Rebellen-Stadtviertel

Die Lage in der syrischen Stadt Aleppo ist dramatisch - Regime und Rebellen liefern widersprüchliche Angaben. Regierungstruppen behaupten, das Viertel Salahaddin zurückerobert zu haben, Aufständische bestreiten das. Frankreich drängt wegen der Gewalt auf eine Dringlichkeitssitzung der Uno.
Zerstörtes Gebäude in Aleppos Stadtviertel Sukkari: Kampf um die Wirtschaftsmetropole

Zerstörtes Gebäude in Aleppos Stadtviertel Sukkari: Kampf um die Wirtschaftsmetropole

Foto: ZOHRA BENSEMRA/ REUTERS

Damaskus/Beirut - In der nordwestsyrischen Industriemetropole Aleppo wird am dritten Tag in Folge offenbar weiter heftig gekämpft. Über den Stand der Kämpfe gibt es widersprüchliche Angaben: Syrische Regierungstruppen behaupteten am Montagvormittag, sie hätten Salahaddin in inzwischen eingenommen. "Salahaddin wurde vollständig zurückgewonnen", zitierte das staatliche syrische Fernsehen einen hochrangigen Militär.

Die Aufständischen bestritten diese Darstellung vehement. Regierungstruppen seien bislang nicht in das Viertel eingedrungen. Panzer befänden sich im nahegelegenen Bezirk Hamdanija, Salahaddin selbst sei aber weiterhin in Rebellenhand, sagte der Aktivist Mohammed Said. "Die Behauptung entbehrt jeder Grundlage", so auch der örtliche Rebellenkommandeur Abu Omar al-Halebi zur Nachrichtenagentur dpa. Die Regimetruppen hätten erneut versucht, Salahaddin mit Panzern anzugreifen, seien aber zurückgeschlagen worden. Die Armee sei "nicht einen Meter" vorgerückt, sagte ein weiterer Anführer der Aufständischen telefonisch der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London beschossen die Aufständischen ein Gebäude des Geheimdiensts der syrischen Luftwaffe im Stadtteil Sahira.

In Aleppo wird weiter gekämpft - unabhängige Nachrichten aus der Stadt sind jedoch kaum zu bekommen. Einwohner sprachen am Telefon von unerträglichen Bedingungen mit pausenlosem Beschuss und knapp werdenden Lebensmitteln. Etwa 200.000 Einwohner der Millionenstadt befinden sich nach Uno-Angaben auf der Flucht.

US-Verteidigungsminister Panetta sieht Assad-Regime am Ende

Verwirrung gab es um angebliche Verletzungen eines Journalisten. Ein spanischer Reporter hatte der Nachrichtenagentur AFP gesagt, dass der 28-jährige Franzose Pierre Torres von einer Kugel an der Schulter getroffen und zur Behandlung in die Türkei gebracht wurde. Torres meldete sich daraufhin per Mail bei der AFP. "Ich bin nicht verletzt". Ihm gehe es gut. Torres gab an, weiter in der Region um Aleppo zu sein.

Frankreich drängt wegen der andauernden Gewalt in Syrien auf eine Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats. Paris werde noch vor Ende der Woche den Antrag stellen, dass das Gremium möglichst auf Ministerebene zusammenkomme, sagte Außenminister Laurent Fabius dem Radiosender RTL. Der Rat, in dem Frankreich am Mittwoch den Vorsitz übernimmt, müsse "alles unternehmen", um die Gewalt in Syrien zu stoppen, fügte Fabius mit Blick auf China und Russland hinzu, die Sanktionen gegen Syriens Staatschef Assad seit Monaten blockieren.

Nach Einschätzung von US-Verteidigungsminister Leon Panetta wird die Offensive für Machthaber Assad das Ende seiner Macht besiegeln. Aleppo sei ein neues "tragisches Beispiel" für die "blinde Gewalt", die das Regime gegen das eigene Volk richte, sagte Panetta an Bord einer Militärmaschine mit Ziel Tunesien. Je mehr Gewalt Assad anwende, desto mehr stelle er sicher, dass "sich das Regime seinem Ende zuneigt". Die Frage sei nicht mehr, ob der syrische Machthaber stürze, sondern wann, sagte Panetta. Aleppo werde "letztlich Assads Sargnagel sein".

anr/AFP/dapd/dpa