Kämpfe in Basra Irakischer Premier Maliki stellt Rebellen Ultimatum - USA bejubeln Kurs der Härte

Iraks Regierung zeigt Härte: Nach den schweren Kämpfen mit mindestens 60 Toten in Basra hat Ministerpräsident Maliki den Sadr-Milizen ein Ultimatum von 72 Stunden gesetzt - sonst würden sie drakonisch bestraft. Das Weiße Haus ist begeistert: "Das ist genau das, was wir alle sehen wollen."


Bagdad - Das Kräftemessen zwischen der irakischen Regierung und der schiitischen Mahdi-Armee geht in eine neue Runde: Am Mittwoch setzte Ministerpräsident Nuri al-Maliki den Kämpfern der Miliz von Prediger Muktada al-Sadr in der südlichen Hafenstadt Basra ein Ultimatum.

Demnach soll nicht verfolgt werden, wer binnen 72 Stunden seine Waffen abgibt und eine Verpflichtungserklärung unterzeichnet. Für alle anderen Kämpfer werde es "härteste Strafen" geben, hieß es in einer Erklärung des schiitischen Regierungschefs.

Irakische Sicherheitskräfte und Anhänger des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr lieferten sich am Mittwoch in der Ölstadt Basra den zweiten Tag in Folge heftige Kämpfe. Die Auseinandersetzungen greifen inzwischen auch auf Bagdad und andere Städte über. Mehr als 60 Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein, Hunderte wurden verletzt.

Unter den Opfern sind unbeteiligte Zivilisten, auch Frauen und Kinder. Zuletzt war auch die streng bewachte Grüne Zone in Bagdad mehrfach attackiert worden.

Die USA halten den Kurs der irakischen Regierung offenbar für genau richtig - das Weiße Haus applaudierte Maliki: "Das ist genau das, was wir alle sehen wollen; dass die irakische Regierung die Initiative übernimmt", sagte Sprecher Tony Fratto. Auch das US-Militär zeigte sich angetan. Maliki ergreife "die notwendigen Schritte im Umgang mit Kriminellen auf den Straßen", sagte Major-General Kevin Bergner, ein US-Sprecher in Bagdad.

Die USA widersprachen Vorwürfen, sie seien in der Vergangenheit besonders aggressiv gegen Sadr und seine Männer vorgegangen. Stattdessen sprach Washington vom Einfluss Irans auf die schiitischen Milizen.

Sadr gehört einer Familie berühmter Kleriker an. Er forderte Maliki am Mittwoch auf, die Krise in Basra mit friedlichen Mitteln beizulegen.

Ein Sprecher des Innenministeriums sagte im Staatsfernsehen, ein Stadtviertel in Basra hätten die Sicherheitskräfte bereits "befreit". Aus Kerbela wurden am Mittwoch zusätzliche Truppen nach Basra geschickt. Inzwischen gelten in der zentralirakischen Provinz Kerbela und in den fünf südlichen Provinzen Basra, Nassirija, Wasit, Diwanija und Babylon wegen der Konfrontation mit der Mahdi-Armee Ausgangssperren.

Im 400 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Amara berichteten Augenzeugen, die Mahdi-Armee habe weitgehend die Kontrolle über ihre Stadt übernommen. "Es sind so gut wie keine Soldaten oder Polizisten auf den Straßen zu sehen", sagte einer von ihnen.

Bei dem Mörserangriff auf die Grüne Zone in Bagdad wurden arabischen Medienberichten zufolge drei amerikanische Zivilisten schwer verletzt. Das Gebiet am Tigrisufer, in dem auch die US-Botschaft und der Parlamentssitz liegen, wird von irakischen und amerikanischen Soldaten streng bewacht.

Bei einem Angriff von US-Truppen wurden in der Stadt Tikrit fünf Zivilisten getötet, darunter drei Kinder. Elf weitere Menschen wurden nach Angaben der Polizei verletzt. Die US-Armee erklärte, die Attacke in der Nacht zum Mittwoch habe mutmaßlichen Qaida-Terroristen gegolten, die auf die Soldaten geschossen hätten. Sie hätten versucht, sich in einem Wohnviertel zu verstecken und die Bewohner als "Schutzschilde" zu missbrauchen.

Ein Selbstmordattentäter sprengte sich in dem nahe von Tikrit gelegenen Dorf Audscha, dem Geburtsort von Ex-Präsident Saddam Hussein, mit einer Autobombe in die Luft. Durch den Anschlag an einer Straßensperre wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen neun Angehörige der Polizei und einer lokalen Bürgerwehr verletzt.

flo/dpa/Reuters/AP



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