Kämpfe in Mali Islamisten greifen Timbuktu an

Vor zwei Monaten ließ sich Frankreichs Präsident Hollande hier als Befreier feiern, nun sind die islamistischen Kämpfer zurück in Timbuktu. Ein Selbstmordanschlag erschütterte die Stadt im Norden Malis, Regierungssoldaten und Rebellen liefern sich schwere Gefechte.
Malische Soldaten in Timbuktu: Verletzte bei Kämpfe gegen Aufständische

Malische Soldaten in Timbuktu: Verletzte bei Kämpfe gegen Aufständische

Foto: ERIC FEFERBERG/ AFP

Timbuktu - Knapp zwei Monate, nachdem französische Truppen die Islamisten aus Timbuktu vertrieben haben, sind in der Stadt im Norden Malis die Gefechte erneut aufgeflammt. Bei Kämpfen zwischen den Soldaten, die von einer französischen Militäreinheit unterstützt wurden, und islamistischen Kämpfern seien am Sonntag mindestens zwei Dschihadisten getötet worden, teilte ein Offizier der malischen Armee mit. Vier Soldaten der Regierungsarmee seien verletzt worden.

Am späten Samstagabend hatte sich ein Selbstmordattentäter an einem Kontrollposten in Timbuktu in die Luft gesprengt. Bei dem Anschlag wurde ein malischer Soldat verletzt. Seither sucht die Armee mit einem Großaufgebot nach verschanzten Aufständischen, die al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQIM) angehören sollen.

An mehreren Punkten in der 50.000-Einwohner-Stadt lieferten sich beide Seiten am Wochenende heftige Gefechte. Nach Angaben von Anwohnern und Militärangehörigen konzentrierten sich die Kämpfe auf eine Schule und ein Militärlager in Timbuktu. Die Angreifer attackierten zudem das Hotel Colombe im Zentrum der Stadt, in dem eine große Regierungsdelegation Quartier bezogen hatte. Die Hotelgäste konnten unverletzt in eine französische Militärbasis gebracht werden. Die Straßen seien wie ausgestorben, sagten Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP. Viele versteckten sich in ihren Häusern vor den Kämpfen.

Timbuktu, knapp tausend Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako gelegen, hatte bis zum Einmarsch malischer und französischer Truppen im Januar etwa zehn Monate lang unter der Kontrolle radikaler Islamisten gestanden. Nach der Eroberung der Stadt hatte sich Frankreichs Präsident François Hollande von den Einwohnern als Befreier feiern lassen.

Frankreich will Soldaten abziehen

Doch viele islamistische Extremisten konnten damals fliehen und zogen sich zwischenzeitlich in das unwegsame Ifoghas-Gebirge im Nordosten Malis zurück. Inzwischen gelang es einigen Kämpfern offenbar, in die Stadt zurückzukehren. Sie seien "zu Fuß und auf Fahrrädern" gekommen, sagte ein Offizier.

Das Attentat vom Samstag ist der zweite Selbstmordanschlag in Timbuktu innerhalb von zehn Tagen. Am 21. März hatte sich ein Mann mit seinem Auto nahe des Flughafens in die Luft gesprengt und einen Soldaten getötet.

Das Wiedererstarken der Aufständischen passiert just zu dem Zeitpunkt, da Frankreich sein Engagement in Mali zurückfahren will. Erst am Donnerstag hatte Hollande bekräftigt, dass er die Zahl der französischen Soldaten im Land bis Juli auf 2000 senken will. Zum Jahresende sollen noch tausend Armeeangehörige vor Ort seien. Gegenwärtig sind noch 4000 Franzosen an dem Militäreinsatz beteiligt.

Schritt für Schritt soll in den kommenden Monaten eine 7000 Mann starke afrikanische Friedenstruppe den brüchigen Frieden in Mali sichern. Die Uno rechnet gar damit, dass für eine Befriedung des Landes mindestens 10.000 Soldaten benötigt würden. Wie schwer diese Aufgabe ist, zeigt ein Anschlag auf zwei nigerianische Soldaten, die am Samstag in Mali getötet wurden. Die anhaltende Gewalt gefährdet auch die Durchführung der für Juli geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen.

syd/AFP/AP/Reuters