Bürgerkrieg Kämpfe in Syrien bringen massive Ernteausfälle

Der Machtkampf in Syrien hat dramatische Folgen. Die Ernteerträge gingen laut einem Uno-Bericht um 50 Prozent zurück, vielerorts sind Bewässerungsanlagen und Infrastruktur zerstört. Menschenrechtler berichten zudem von systematischer Zerstörung religiöser Stätten.
Verwüstungen im syrischen Hama: Uno-Organisation warnt vor Ernteausfall

Verwüstungen im syrischen Hama: Uno-Organisation warnt vor Ernteausfall

Foto: Sana/ dpa

Rom - Der Konflikt in Syrien hat dramatische Folgen. Nach Angaben der Uno-Organisation FAO ist die Landwirtschaft durch die anhaltenden Kämpfe bereits massiv geschädigt. Die Erträge bei Getreide, Obst und Gemüse seien gesunken - teils um gut 50 Prozent, teilte die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft mit. Bewässerungsanlagen und andere Infrastrukturen seien vielerorts zerstört. Die ländlichen Gebiete bräuchten dringend Hilfe.

Uno-Mitarbeiter haben sich demnach bei einem Besuch bis Dienstag in Damaskus sowie in den Provinzen Homs und Daraa selbst ein Bild von der Lage gemacht. Nur 45 Prozent der Bauern konnten ihr Getreide voll einfahren. 14 Prozent berichteten, dass sie wegen der unsicheren Lage oder mangels Treibstoff nicht ernten konnten. Allein bei Weizen und Gerste sei die Produktion im vergangenen Jahr auf weniger als zwei Millionen Tonnen gesunken - nach 4 bis 4,5 Millionen Tonnen in normalen Jahren.

Es mangele an hochwertigem Saatgut und Düngemitteln, teilte FAO weiter mit. Bewässerungskanäle seien beschädigt, vielfach gebe es keinen Treibstoff für die Pumpen. Auch die Tierhaltung sei betroffen. Es fehle an Futter, aber auch an Arzneimitteln, deren Einfuhr durch Sanktionen behindert werde. Die Produktion von Geflügel sei stark beeinträchtigt, da große Höfe zerstört wurden.

Religiöse Stätten absichtlich zerstört und geplündert

"Die Menschen brauchen dringend Unterstützung bei der Landwirtschaft, etwa mit Saatgut, Düngemittel, Futtermittel, Tierarzneimittel, Geflügel und Sanierung von Bewässerungsanlagen", sagte der Direktor der FAO-Notfall-Abteilung, Dominique Burgeon. Für 80 Prozent der zehn Millionen Syrer, die in ländlichen Gebieten leben, ist laut FAO die Landwirtschaft die Existenzgrundlage.

Der blutige Konflikt in Syrien begann im März 2011. Seitdem wurden Schätzungen der Uno zufolge bereits mehr als 60.000 Menschen getötet.

Auch Kulturdenkmäler fallen zunehmend den Kämpfen zum Opfer. Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch kritisiert, religiöse Stätten würden systematisch zerstört, in diesem Fall offenbar durch Aufständische. In einem neuen Bericht beklagt die Gruppe, in zwei Monaten seien in den nördlichen Provinzen Latakia und Idlib zwei christliche Kirchen und eine schiitische Stätte allem Anschein nach vorsätzlich zerstört oder geplündert worden. Dies geschah laut Augenzeugenberichten im vergangenen November und Dezember in drei Dörfern, nachdem die Rebellen die betreffenden Regionen erobert und Regierungstruppen die Orte verlassen hätten. Viele Bewohner seien daraufhin geflohen.

Die Menschenrechtler warfen der Opposition vor, solche Übergriffe gegen Minderheiten nicht genügend zu ahnden. Damit würden neue Ängste vor ethnisch-religiösen Konflikten in dem Land geschürt. Dazu trugen auch Berichte über Entführungen durch Rebellen bei, betonte Human Rights Watch. Die Gruppe wies zugleich darauf hin, dass in Taftanas in Idlib auch Regierungssoldaten in einer Moschee randaliert hätten.

Russland kritisiert Rebellen für "fixe Idee" vom Sturz Assads

Der russische Außenminister Sergej Lawrow wirft der syrischen Opposition vor, mit ihrer Forderung nach dem Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad eine Lösung des Konflikts in dem Land zu verhindern. "So lange diese unversöhnliche Position aufrecht erhalten wird, kann nichts Gutes geschehen", sagte Lawrow. "Die Kämpfe werden weitergehen, und Menschen werden sterben." Lawrow nannte die Ablösung Assads eine "fixe Idee" der syrischen Opposition. Sie behindere die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Bürgerkrieges.

Lawrow warf zudem westlichen Staaten und Ländern des Nahen Ostens vor, sich nicht für einen Dialog zwischen der syrischen Opposition und der Führung um Assad einzusetzen. Nur Russland, China und der frühere Uno-Sondergesandte Kofi Annan sowie dessen Nachfolger Lakhdar Brahimi hätten sich darum bemüht, die Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen, sagte der Außenminister. Russland ist einer der letzten Verbündeten Assads.

Am Mittwoch trafen etwa 80 Russen auf dem Luftweg in Moskau ein, die Syrien wegen der Kämpfe verlassen hatten. Die Flüge waren von der russischen Regierung organisiert worden. An Bord waren nach Angaben der Behörden vor allem russische Frauen, die mit Syrern verheiratet sind, sowie Palästinenser und deren Kinder. Sie hätten durch die Kämpfe ihr Obdach verloren und seien mittellos. Die russische Führung hatte zuvor betont, dass es sich nicht um den Beginn einer Massenevakuierung handele.

ffr/dpa/Reuters
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