Kairoer Rede Hamas fordert Obama zu direkten Gesprächen auf

Die Hamas hat auf die hochgelobte Kairoer Rede von Barack Obama geantwortet: Die Radikal-Islamisten forderten den US-Präsidenten zu direkten Gesprächen auf, wenn er wirklich einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten anstrebe.


Damaskus - Die Arabische Liga will in der kommende Woche auf einer Sondersitzung über die Kairoer Rede von Barack Obama beraten. Die Exilführung der Hamas in Syrien hat sich schon jetzt damit befasst - und den US-Präsidenten zu direkten Gesprächen aufgefordert. Wenn Obama wirklich einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten anstrebe, könne er die Hamas als Repräsentantin des palästinensischen Volkes nicht ignorieren, erklärte der stellvertretende politische Führer der radikalislamischen Bewegung, Mussa Abu Marsuk, am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AP in Damaskus.

Obama bei seiner Kairoer Rede: Sondersitzung der Arabischen Liga
AP

Obama bei seiner Kairoer Rede: Sondersitzung der Arabischen Liga

Marsuk lehnte einen Gewaltverzicht ausdrücklich ab. Dies aber hat Obama zur Vorbedingung für einen Dialog gemacht. Die US-Regierung solle keine Bedingungen stellen, sondern akzeptieren, dass eine Lösung des Nahostkonflikts ohne die Hamas nicht möglich sei, betonte Marsuk. Er bekräftigte die Position seiner Bewegung, wonach die wahre Gewalt im Nahen Osten von der israelischen Besatzung ausgehe. Dies hätte Obama in seiner Rede zumindest erwähnen müssen. Auch eine Anerkennung Israels lehnte Marsuk weiterhin ab.

Die Arabische Liga hat für die kommende Woche in Kairo eine außerordentliche Sitzung ihrer Außenminister einberufen. Bei dem Treffen am 17. Juni werde es vor allem darum gehen, wie die Araber reagieren sollen, nachdem Obama in seiner Kairoer Rede vergangene Woche seine Unterstützung für einen Palästinenserstaat bekräftigt hatte. Der Generalsekretär der Liga, Amre Mussa, will dem Vernehmen nach, dass die Minister zu den drei schwierigsten Punkten in den Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern eine gemeinsame Haltung finden. Es geht um den Status von Jerusalem, die jüdischen Siedlungen und die Rechte der Flüchtlinge von 1948.

Israelische Soldaten haben derweil am Montag drei palästinensische Extremisten bei einem Grenzüberfall am Gaza-Streifen getötet. Die Hamas-Kämpfer wollten nach Angaben der Armee ein Loch in den Grenzzaun sprengen und erneut Soldaten entführen. Bei ihrem Überfall hätten die Extremisten auch Pferde eingesetzt, die mit Sprengstoff beladen gewesen seien. Auf israelischer Seite habe es keine Toten oder Verletzten gegeben. Sanitäter vor Ort hatten anfangs noch von vier getöteten Palästinensern gesprochen.

als/Reuters/AP/dpa



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