Kalter Krieg USA konnten Ostblock durchgängig abhören

Nach SPIEGEL-Informationen offenbaren bislang geheime Dokumente, dass die Vereinigten Staaten zur Zeit des Kalten Krieges über weitreichende Lauschfähigkeiten verfügten.
Leonid Iljitsch Breschnew, Staatschef der UdSSR von 1977 bis 1982

Leonid Iljitsch Breschnew, Staatschef der UdSSR von 1977 bis 1982

Foto: Eastnews/ imago images

Die USA konnten während des Kalten Kriegs den gesamten Richtfunk im Ostblock abhören. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus geheimen Dokumenten im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts hervor.

Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) erfuhr 1988 von den Lauschmöglichkeiten zufällig: Siemens wollte damals ein Datenkommunikationsnetz an die Deutsche Post der DDR verkaufen. Das Unternehmen erhoffte sich von dem Großauftrag weitere lukrative Geschäfte mit dem SED-Staat.

Doch die Amerikaner protestierten: Die Siemens-Technologie würde der DDR den "Zugang zu sensitiven westlichen Computern und Datenbasen" erleichtern.

Über den wahren Grund des Protests klärte der Bundesnachrichtendienst (BND) Genscher auf: Ein Abhören wäre bei Einführung der Siemens-Technik nicht mehr möglich. Vergeblich beharrten Kanzler Helmut Kohl (CDU) und Genscher ("Der Export ist anzustreben") auf dem Geschäft. Siemens kam erst nach dem Mauerfall in Ostdeutschland zum Zug.

Die Dokumente hat nun das Institut für Zeitgeschichte veröffentlicht (Verlag De Gruyter).

klw
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