Kambodscha Anklage fordert 40 Jahre Haft für Folterknecht der Roten Khmer

Kaing Guek Eav alias Duch segnete während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer die Ermordung Tausender Menschen ab. Nun fordert die Staatsanwaltschaft 40 Jahre Haft. Überlebende halten die Forderung für zu moderat - der Verteidiger hingegen sagte, Duch solle als Sündenbock herhalten.
Ex-Rote-Khmer-Funktionär Kaing Guek Eav: Ermordung Tausender Gefangener abgesegnet

Ex-Rote-Khmer-Funktionär Kaing Guek Eav: Ermordung Tausender Gefangener abgesegnet

Foto: A2800 epa Adrees Latif/Pool/ dpa

Rote-Khmer

Phnom Penh - Der für Folter und den Tod von 15.000 Menschen verantwortliche frühere Funktionär des -Regimes in Kambodscha, Kaing Guek Eav alias Duch, soll für mindestens 40 Jahre hinter Gitter. Das hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch im ersten Rote-Khmer-Prozess vor dem eigens eingerichteten Völkermord-Tribunal in Phnom Penh gefordert. Der Angeklagte hatte das berüchtigte S-21-Foltergefängnis beaufsichtigt und die Ermordung tausender Gefangener abgesegnet.

Duch sei ein "loyaler und engagierter Agent" des Terrorregimes gewesen, sagte Staatsanwalt William Smith. Er habe in ganz Kambodscha Terror verbreitet. "Die Menschheit verlangt eine gerechte und angemessene Strafe für die Verbrechen." Er forderte 45 Jahre, reduziert um fünf Jahre, weil die Untersuchungshaft des 67-Jährigen angerechnet wird. Das Urteil wird im kommenden Jahr erwartet.

Einer der wenigen Überlebenden von S21, Chum Mey, kritisierte als Prozessbeobachter, das vom Staatsanwalt geforderte Strafmaß sei zu niedrig. "Er sollte 70 oder 80 Jahre bekommen. Wenn es nach mir geht, sollte er mit dem Tod am Strang bestraft werden, aber das erlaubt das kambodschanische Recht nicht", sagte der 78-Jährige.

Auch Duch selbst sagte erneut vor dem Tribunal aus - er bezeichnete sich vor dem als kleines Licht in einer großen Mord-Maschine. Er habe selbst um sein Leben gefürchtet, sagte der Angeklagte. Er entschuldigte sich erneut bei den Opfern. "Ich bin voller tiefer Reue und erschüttert über solch verheerende Zerstörung", sagte er. "Ich möchte mich mit allem Respekt und demütig bei den Seelen der Toten entschuldigen."

Duchs habe selbst "nur wenige" Menschen umgebracht, sagte sein Verteidiger Kar Savuth. Er werde zum Sündenbock des Regimes gestempelt. "Ist das Gerechtigkeit?", fragte Kar.

Pol Pot

Der Völkermord-Prozess, der erste seiner Art in Kambodscha, soll am Freitag nach acht Monaten abgeschlossen werden. Die Richter werden voraussichtlich Anfang kommenden Jahres Urteil und Strafmaß verkünden. In dem Prozess sagten Experten sowie Überlebende von S21 aus. Das mit Unterstützung der Vereinten Nationen eingerichtete Völkermord-Tribunal hat Prozesse gegen insgesamt fünf noch lebende Führungsmitglieder des Regimes vorbereitet. Der Führer der Roten Khmer, , starb 1998.

Die Roten Khmer herrschten in Kambodscha von 1975 bis 1979. Sie wollten einen ultra-kommunistischen Bauernstaat verwirklichen. Durch Hungersnöte, Krankheiten und die Verfolgung durch das Regime kamen bis zu zwei Millionen Menschen um.

anr/dpa/AP