Kambodscha Chefhenker der Roten Khmer vor Gericht

Späte Gerechtigkeit: Erstmals steht ein führendes Mitglied der Roten Khmer vor einem Völkermordtribunal in Kambodscha. Der Leiter des Folterzentrums, Kaing Guek Eav, muss sich wegen der Gräueltaten des Pol-Pot-Regimes verantworten.


Phnom Penh - Es ist die erste öffentliche Anhörung eines Angeklagten vor dem Völkermordtribunal. Kaing Guek Eav, alias Duch, Chefhenker des brutalen Rote-Khmer-Regimes, hat Haftbeschwerde eingereicht und darüber wird heute verhandelt. Duch, der bereits acht Jahre in einem Militärgefängnis einsaß, will seine Freilassung erreichen. Die Richter erklärten vor Beginn der Anhörung, es bestehe der "gut begründete" Verdacht, dass er an Verbrechen beteiligt war und dass Fluchtgefahr bestehe. Das Tribunal hatte am Montag den früheren Staatschef Khieu Samphan festnehmen lassen.

Kaing Guek Eav vor Gericht: Chefhenker der Roten Khmer
DPA

Kaing Guek Eav vor Gericht: Chefhenker der Roten Khmer

Duch soll im Tuol-Sleng-Gefängnis für die Folter und Ermordung von ingesamt 16.000 Häftlingen mitverantwortlich gewesen sein. Die 58 Jahre alte Sin Khor, deren Mann und zwei Brüder während der Herrschaft der Roten Khmer ums Leben kamen, sprach von einem historischen Augenblick. "30 Jahre sind vergangen. Aber was damals geschehen ist, bleibt für mich lebendig."

Die formelle Eröffnung von Prozessen vor dem Rote-Khmer-Tribunal wird erst im kommenden Jahr erwartet. Das Tribunal nahm inzwischen die fünf führenden noch lebenden Köpfe der Roten Khmer fest. Der Khmer-Führer Pol Pot war 1998 gestorben.

In der vergangenen Woche wurden Ex-Außenminister Ieng Sary und seine Frau, Ex-Sozialministerin Ieng Thirith, festgenommen. Auch der frühere Chef-Ideologe Nuon Chea wartet auf seinen Prozess. Allen Angeklagten werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie zum Teil auch Kriegsverbrechen zur Last gelegt.

In seinem vergangene Woche erschienenen Buch über die Geschichte Kambodschas bestreitet Khieu Samphan, dass es unter den Roten Khmer planmäßige Massentötungen gab. Dem Regime sei immer am Wohl der Menschen gelegen gewesen. Die Roten Khmer herrschten von 1975 bis 1979. Damals kamen schätzungsweise 1,7 Millionen Menschen ums Leben. Die Schreckensherrschaft ging als Epoche der "Killing Fields" in die Geschichte ein. Die Kommunisten wollten Kambodscha in eine Agrargesellschaft verwandeln und löschten die akademische Elite aus. Hunderttausende wurden hingerichtet, verhungerten oder arbeiteten sich auf den Reisfeldern zu Tode.

ler/AFP/AP



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