Kambodscha Früherer König Sihanouk ist tot

In wenigen Tagen wäre er 90 Jahre alt geworden: Der ehemalige kambodschanische König Sihanouk ist gestorben. Er hat dem Land zur Unabhängigkeit verholfen, bestimmte Jahrzehnte dessen Politik, überlebte die Schreckensherrschaft der Roten Khmer und galt schließlich als Symbol der nationalen Versöhnung.

DPA

Phnom Penh - Der frühere kambodschanische König Norodom Sihanouk ist tot. Er sei am frühen Montagmorgen in Peking gestorben, teilte Regierungssprecher Khieu Kanharith mit. Der 89-Jährige war zur medizinischen Behandlung in die chinesische Hauptstadt gereist. Der kambodschanische Vizeregierungschef Niek Bun Chhay sagte der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, der einstige Monarch sei am frühen Montagmorgen eines "natürlichen Todes" gestorben. Sein Tod sei ein "großer Verlust" für Kambodscha. "Wir sind sehr traurig." Sihanouk wäre in wenigen Tagen 90 Jahre alt geworden.

Sihanouks Sohn Norodom Sihamoni, der derzeit regierende Monarch, sowie Regierungschef Hun Sen sollen noch am Montag nach Peking fliegen, um die Leiche des Verstorbenen für ein traditionelles Begräbnis nach Kambodscha zu bringen. Aus dem Umfeld des früheren Königs wurde bekannt, dass dieser in letzter Zeit vor allem an Herzproblemen litt.

Sihanouk galt als beliebt beim Volk, war allerdings nur selten in der Lage, für Stabilität in Kambodscha zu sorgen. Er wurde am 31. Oktober 1922 geboren, als sein Heimatland unter französischer Kolonialverwaltung stand. 1941 wurde er im Alter von 19 Jahren zum König gekrönt. Die Kolonialregierung ging offenbar davon aus, den jungen Mann gut kontrollieren zu können. Nach der Niederlage im Indochinakrieg verließen die Franzosen 1953 das Land.

Zwei Jahre später verzichtete Sihanouk auf den Thron, gründete eine politische Partei, wurde erst Premierminister, dann Staatsoberhaupt. Auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs erklärte er Kambodscha für neutral. Er akzeptierte auf der einen Seite in begrenztem Maße Entwicklungshilfe aus den USA und nahm auf der anderen Seite Beziehungen zum kommunistischen China auf. Zudem gehörte er zu den Gründern der Bewegung der Blockfreien Staaten.

Bei einer Auslandsreise 1970 wurde Sihanouk abgesetzt. Sihanouk ging nach Peking und begann von dort, die Roten Khmer zu unterstützen, die die Regierung in Kambodscha stürzten und in ihrer knapp vierjährigen Schreckensherrschaft bis 1979 fast ein Viertel der Bevölkerung ausrotteten. Sihanouk wurde vorübergehend ihr Staatsoberhaupt, ehe er sich erneut ins Exil absetzte. Die Roten Khmer verurteilten Sihanouk zum Tode. Nur die persönliche Intervention des chinesischen Parteiführers Zhou Enlai bewahrte ihn vor der Hinrichtung. Erst 1991 versöhnte Sihanouk sich mit dem heutigen Regierungschef Hun Sen und kehrte zurück nach Kambodscha. Als er den Thron 1993 wieder einnahm, war er zu einem Symbol der nationalen Aussöhnung und Einheit geworden.

Abseits der Politik ging der umtriebige Monarch seinen zahlreichen Interessen nach. Er drehte Filme, malte, komponierte, führte die Fußballmannschaft des Palastes und leitete eine Jazzband. Sihanouk liebte schnelle Autos, gutes Essen und schöne Frauen: Er war mindestens fünfmal verheiratet und hatte 14 Kinder.

In den vergangenen Jahren hatte sich der Monarch immer wieder zu medizinischen Behandlungen in China aufgehalten. Er litt an verschiedenen Krebserkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck. Wegen seines Alters und seiner schwachen Gesundheit hatte Sihanouk den Thron im Oktober 2004 seinem Sohn überlassen - fortan kommunizierte er mit seinen Anhängern vor allem über seine Internetseite.

anr/AFP/dapd



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