Kambodscha Rote-Khmer-Folterchef zu 35 Jahren Haft verurteilt

Es ist ein historisches Urteil für Kambodscha: 30 Jahre nach dem Ende der Diktatur der Roten Khmer ist der Chef des schlimmsten Foltergefängnisses verurteilt worden. Kaing Guek Eav ist für den Tod Tausender verantwortlich - und der erste hochrangige Funktionär, der zur Rechenschaft gezogen wird.
Kambodscha: Rote-Khmer-Folterchef zu 35 Jahren Haft verurteilt

Kambodscha: Rote-Khmer-Folterchef zu 35 Jahren Haft verurteilt

Foto: HO/ REUTERS

Kaing Guek Eav

Pnomh Penh - Kriegsverbrechen, Sklaverei, Folter und vorsätzlicher Mord - dies sind nur einige der Anklagepunkte gegen den berüchtigten Folterchef der Roten Khmer in Kambodscha. Der auch als "Duch" bekannte wurde am Montag von einem von der Uno unterstützten Tribunal für schuldig befunden, an der Tötung von mindestens 14.000 Menschen im berüchtigten Gefängnis Tuol Sleng ("S-21") beteiligt gewesen zu sein. Dort wurden Männer, Frauen und Kinder als angebliche Staatsfeinde zu Tode gequält.

Das Tribunal verurteilte Duch zunächst zu 35 Jahren Haft. Weil der Verurteilte aber schon seit langem im Gefängnis sitzt, wurden ihm insgesamt 16 Jahre der Strafe erlassen.

Die Anklage hatte 40 Jahre Haft für Duch gefordert. Dieser sei ein "loyaler und engagierter Agent" des Terrorregimes gewesen, hatte der Staatsanwalt in dem Prozess erklärt, der im März 2009 begonnen hatte. Der Angeklagte selbst bezeichnete sich vor dem Tribunal als kleines Rad in einer großen Mord-Maschine. Während des Prozesses zeigte er sich kühl und entspannt.

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Kambodscha: Urteil gegen den "Herrn der Killing Fields"

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Duch ist einer der wenigen Führer des früheren Regimes, die noch am Leben sind - der SPIEGEL hatte ihn einst als "Herr der Killing Fields" bezeichnet. Das Urteil vom Montag ist historisch, denn mit dem Schuldspruch ging das erste Verfahren gegen ein führendes Mitglied der kommunistischen Diktatur vor dem Sondertribunal zu Ende. Vier weiteren Vertretern des Pol-Pot-Regimes wird der Prozess gemacht.

Roten Khmer

Die herrschten unter ihrem Anführer Pol Pot zwischen 1975 und 1979 im südostasiatischen Kambodscha und setzten ihre Vorstellungen vom Kommunismus mit rücksichtsloser Härte durch. Während ihrer Herrschaft kamen rund zwei Millionen Menschen ums Leben - sie verhungerten, starben mangels medizinischer Versorgung, mussten sich zu Tode schuften oder wurden hingerichtet. Der Führer der Roten Khmer, Pol Pot, starb 1998.

kgp/apn/Reuters/AFP
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