Kambodscha Verteidiger fordert Milde für Folterchef der Roten Khmer

Ihm werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Folter und Mord vorgeworfen: Der frühere Rote Khmer Duch steht in Kambodscha vor Gericht - doch sein Anwalt fordert Milde. Duchs Schuldbekenntnis sei ein historischer Moment für das Land.
Angeklagter Duch: Vor Gericht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Angeklagter Duch: Vor Gericht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Foto: epa

Roten Khmer

Kaing Guek Eav alias Duch

Phnom Penh - Im Prozess gegen den ehemaligen Folterchef der in Kambodscha hat die Verteidigung die Richter aufgefordert, bei ihrem Urteil die Reue des Anklagten mildernd zu berücksichtigen. Der französische Verteidiger von , François Roux, sagte am Donnerstag in seinem Schlussplädoyer, vor dem Gericht stehe ein Angeklagter, der seine Schuld bekenne. Dies sei "ein historischer Moment" für Kambodscha. Die Staatsanwaltschaft, die 40 Jahre Haft für den ehemaligen Folterchef gefordert hatte, habe diese "Verabredung mit der Geschichte" versäumt. Dem Angeklagten werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Folter und Mord vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft wolle, dass der angeklagte 67-Jährige für Jahrzehnte hinter Gitter komme, und erwarte sich davon eine positive Auswirkung für die Gesellschaft, sagte Roux. Das seien jedoch "Klischees". Die Frage sei jetzt, ob das Gericht durch sein Urteil Duch "zurück in die Menschheit" bringen könne. Eine letzte Bemerkung wolle er noch hinzufügen, sagte der Verteidiger: "Duch ist tot. Heute lautet sein Name Kaing Guek Eav - er ist nicht länger der Revolutionär Duch."

Die Schlussplädoyers vor dem Gericht hatten am Montag begonnen und sollten am Freitag zu Ende gehen. Mit einem Urteil wird Anfang kommenden Jahres gerechnet. Das Anfang des Jahres begonnene Verfahren ist der erste Prozess gegen einen ranghohen Vertreter der Roten Khmer. Der einstige Folterchef leitete das berüchtigte Gefängnis Tuol Sleng (S21) in Phnom Penh, in dem zwischen 1975 und 1979 rund 15.000 Insassen gequält und hingerichtet worden waren.

Roux bezeichnet Duch als Opfer der Roten Khmer

Anwalt Roux machte eine andere Rechnung auf. Er bezog sich auf die in der Anklageschrift vermerkte Zahl der zweifelsfrei nachgewiesenen Todesfälle in S21. "Wie viele Menschen sind in S21 umgekommen? Wir wissen, es waren 12.383, und insgesamt sind 1,7 Millionen Menschen umgekommen. Das heißt, S21 war für weniger als ein Prozent der Todesfälle verantwortlich. Wie kann die Staatsanwaltschaft es wagen zu behaupten, Duch sei im Zentrum eines Netzwerks gewesen, das Kambodscha in Blut getränkt hat?" Roux beschrieb den Angeklagten als Opfer der Roten Khmer, der keine Wahl hatte, als Befehle auszuführen oder selbst umgebracht zu werden.

Im März hatte der Angeklagte die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer um Vergebung gebeten. Er bekannte sich in zwei Fällen zur Folter, will aber niemanden getötet haben.

Die Ankläger und die Anwälte der Nebenkläger hatten Duch vor dem eigens eingerichteten Völkermord-Tribunal als überzeugten Regime-Anhänger dargestellt, der das Vertrauen der höchsten Regierungszirkel genoss. Außer Duch sind vier ranghohe Funktionäre das Regimes angeklagt. Ihre Prozesse beginnen frühestens im kommenden Jahr.

luk/AFP/dpa