Kamerun Oppositionsführer Kamto nach Monaten aus dem Gefängnis entlassen

Nach regierungskritischen Demonstrationen war Kameruns Oppositionsführer Maurice Kamto im Januar festgenommen worden. Jetzt kamen er und etliche weitere Oppositionelle frei.

Maurice Kamto grüßt nach seiner Freilassung aus einem Auto
AFP

Maurice Kamto grüßt nach seiner Freilassung aus einem Auto


Der kamerunische Oppositionsführer Maurice Kamto ist nach Monaten im Gefängnis freigekommen. Außer Kamto verließen Dutzende weitere Oppositionsanhänger am Samstag in der Hauptstadt Jaunde das Gefängnis, wie ein Reporter der dpa berichtete. Zum ersten Mal habe der Präsident des Landes die Rufe der Opposition erhört, sagte ein Anwalt Kamtos, Christopher Ndong.

Kameruns Staatschef Paul Biya hatte am Freitag erklärt, die Vorwürfe gegen Kamto und etliche weitere Oppositionsanhänger würden fallengelassen. Ihnen war unter anderem Aufstand gegen den Staat vorgeworfen worden. Biya wolle eine friedliche Lösung für die Krisen im Land finden, teilte er mit.

Kamto, der Chef der Partei MRC, und rund 100 andere Menschen waren im Januar nach regierungskritischen Demonstrationen festgenommen worden. Tausende Oppositionsanhänger waren auf die Straße gegangen, um gegen den seit mehr als 35 Jahren regierenden Präsidenten Paul Biya zu demonstrieren.

Die Proteste gegen den 85 Jahre alten Staatschef hatten seit 2017 deutlich zugenommen. Hintergrund ist auch eine Krise zwischen der frankophonen Mehrheit und der englischsprachigen Minderheit des Landes. Die anglophone Minderheit hatte 2016 angekündigt, sich abspalten und ein Land Ambazonia gründen zu wollen. Ihre Anhänger fühlen sich als Bürger zweiter Klasse. Seitdem haben sich die Proteste zunehmend verstärkt, häufig kommt es zu tödlichen Ausschreitungen.

Deutscher Staatsbürger immer noch inhaftiert

Weiterhin in kamerunischer Haft sitzt hingegen der Deutsche Wilfried S. Der Diplomingenieur war im Februar nach einem Besuch bei Verwandtenwenige Stunden vor dem Rückflug festgenommen worden. Kameruns Behörden werfen S. vor, er wolle den Staat Kamerun destabilisieren und eine Rebellion anzetteln. Außerdem wird ihm die Zerstörung von Staatseigentum vorgeworfen. Im September wurde S. vor einem Militärgericht angeklagt.

Als Beleg dienen den Behörden offenbar Fotos, die S. auf seiner Digitalkamera hatte sowie seine Beteiligung an regierungskritischen WhatsApp-Gruppen. Die Frau von S. sagte dem SPIEGEL, zwar sympathisiere ihr Mann mit den Ideen mancher Oppositioneller, in der Zeit in Kamerun habe er sich aber nicht politisch betätigt.

yer/dpa



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