Kampf gegen al-Qaida Obama pocht auf Anti-Terror-Einsätze in Pakistan

Mit dem Navy-Seals-Einsatz gegen Osama Bin Laden haben die USA die Regierung in Islamabad blamiert - und sie würden es wieder tun: US-Präsident Obama nannte Aktionen in Pakistan den "richtigen Ansatz" im Kampf gegen al-Qaida. Republikaner verlangen jetzt, Förderprogramme für das Land einzufrieren.
US-Präsident Obama: Aktionen in Pakistan der "richtige Ansatz"

US-Präsident Obama: Aktionen in Pakistan der "richtige Ansatz"

Foto: Carolyn Kaster/ AP

Washington - Aus Islamabad kommt scharfe Kritik an dem geheimen Navy-Seals-Einsatz gegen Osama Bin Laden - doch US-Präsident Barack Obama behält sich ausdrücklich das Recht vor, weiter gegen Terrorverdächtige in Pakistan vorzugehen. Auf die Frage, ob er erneut einen Einsatz auf pakistanischem Boden anordnen würde, sagte sein Sprecher Jay Carney am Mittwoch, Obama habe dies bereits während des Präsidentschaftswahlkampfs zugesichert. Er sei weiterhin der Ansicht, dass dies der "richtige Ansatz" sei.

Obama hatte 2008 erklärt, er werde gegen Qaida-Chef Osama bin Laden oder andere ranghohe Vertreter des Terrornetzwerks auch in Pakistan vorgehen, wenn die dortige Regierung "unfähig oder nicht willens" sei, zu handeln. Islamabad war über den Einsatz der Spezialeinheiten gegen Bin Laden nicht vorab informiert. Damit habe man verhindern wollen, dass die Aktion auffliegt, hieß es aus Washington.

Dass der Terrorführer in Abbottabad angeblich unentdeckt über Jahre Unterschlupf gefunden haben soll, sorgt für Spannungen zwischen Washington und Islamabad. Es sei "unvorstellbar", dass der Terrorchef keine Unterstützung von Pakistan erhalten habe, sagte Obamas Anti-Terror-Berater John Brennan. "Wir versuchen herauszufinden, wie er in der Lage war, sich dort so lange zu verstecken." Laut dem US-Sender CNN hatte CIA-Direktor Leon Panetta in einer internen Beratung sogar gesagt, die pakistanische Regierung sei "entweder inkompetent oder beteiligt" gewesen. Beides wäre höchst bedenklich, so Panetta weiter. Islamabad wies diese Einschätzung umgehend zurück.

Aber auch im US-Kongress werden Zweifel an der pakistanischen Darstellung laut, nichts von Bin Ladens Aufenthaltsort gewusst zu haben. Die republikanische Abgeordnete Kay Granger forderte angesichts der ungeklärten Rolle Pakistans im Fall Bin Laden sogar, ein 200 Millionen Dollar schweres Hilfsprogramm für Flutopfer auf Eis zu legen. Die Entdeckung, dass der "berühmt-berüchtigste Terrorist der Welt" fünf Jahre lang nur wenige hundert Meter von einer Militäreinrichtung gelebt haben soll, habe seine Sorge vergrößert. Er fürchte, dass Islamabad womöglich "unfähig" sei, die US-Gelder transparent zu verwalten, schrieb Granger in einem Brief an US-Außenministerin Hillary Clinton.

"Felsenfest auf der Seite der USA"

Im Kampf gegen den Terror ist Pakistan eigentlich ein Verbündeter der USA. Die pakistanische Regierung hatte am Dienstag betont, man stehe nach wie vor "felsenfest auf der Seite der USA im Anti-Terror-Kampf". Auch bei der Ortung Bin Ladens will Pakistan nach eigenen Angaben eine bedeutende Rolle gespielt haben: "Wir wussten zwar nichts von der Aktion, aber wir haben seit 2009 Informationen über das Anwesen mit der CIA und anderen befreundeten Geheimdiensten geteilt", heißt es in einer Mitteilung des Außenministeriums.

Es habe Erkenntnisse gegeben, dass sich "einige verdächtige Ausländer" in der Region aufhielten. Die USA und die CIA hätten bestätigt, dass letztlich die vom pakistanischen Geheimdienst ISI zur Verfügung gestellten Informationen zur Tötung Bin Ladens geführt hätten, heißt es in der Erklärung weiter.

Obama hält Bin-Laden-Bilder unter Verschluss

Trotz einer hitzigen Debatte in den USA will Präsident Obama die Fotos des getöteten Bin Laden nicht veröffentlichen. In der TV-Sendung "60 Minutes" kündigte Obama diesen Schritt an, wie der US-Sender CBS vorab auf seiner Webseite berichtet. Eine Herausgabe der Bilder würde "ein nationales Sicherheitsrisiko" darstellen, sagte Obama nach Angaben des Weißen Hauses. Er wolle verhindern, dass die Fotos zu Propagandazwecken missbraucht würden. "Wir sind aber sicher, dass wir Osama Bin Laden getötet haben. Er wird nicht mehr auf dieser Erde wandeln."

Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, sagte, die Bilder seien zweifellos "grausig". Es sei zu prüfen, ob es nötig sei, sie zu veröffentlichen. Bin Laden soll zweimal in den Kopf getroffen worden sein, einmal direkt über dem linken Auge.

jok/AFP/dpa/Reuters
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