Islamisten-Kommandeur in Mali Soldaten töten angeblich den "Einäugigen"

Er war einer der wichtigsten Qaida-Führer in Nordafrika und verantwortlich für die blutige Geiselnahme auf einem Gasfeld in Algerien: Jetzt meldet die Armee des Tschad, sie habe Mokhtar Belmokhtar, den "Einäugigen", in Mali getötet. Eine Bestätigung dafür gibt es allerdings nicht.

SPIEGEL ONLINE

N'Djamena - Die Armee des Tschad hat nach eigenen Angaben im Norden Malis den berüchtigten Islamistenführer Mokhtar Belmokhtar getötet. Tschadische Truppen hätten am Samstag im Norden Malis einen Stützpunkt der Islamisten im Ifoghas-Massiv zerstört und "mehrere Terroristen" getötet - darunter den Anführer Mokhtar Belmokhtar, genannt "der Einäugige", der "Unfassbare" und "Mister Marlboro". Dies teilte der Generalstab der tschadischen Armee mit. Eine weitere unabhängige Bestätigung für die Meldung gibt es bisher nicht.

Der Algerier Belmokhtar ist ein früherer Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida im islamischen Maghreb. Seine Gruppe al-Mulathamin ("Die Vermummten") war für die blutige Geiselnahme auf einer algerischen Gasförderanlage verantwortlich, bei der im Januar dieses Jahres 37 ausländische Geiseln getötet wurden. Er drohte seither wiederholt mit weiteren Angriffen, sollte der französische Kampfeinsatz in Mali nicht eingestellt werden.

Der 40-jährige Belmokhtar hatte eine Dschihadistenkarriere, die für militante Islamisten in Nordafrika durchaus typisch ist. In der algerischen Oasenstadt Ghardaia geboren, schloss er sich 1991 den ausländischen Dschihadisten in Afghanistan an, aus denen sich später Osama Bin Ladens al-Qaida entwickeln sollte. Während der Kämpfe am Hindukusch verlor Belmokhtar ein Auge - die Presse in seiner Heimat nennt ihn deshalb meist nur "den Einäugigen".

1993 kehrte er nach Algerien zurück, das inzwischen in einen blutigen Bürgerkrieg zwischen Militär und Islamisten versunken war. Bald stieg er dort zu einem der Kommandeure der aufständischen Groupe Islamique Armé (GIA) auf. 1998 schloss er sich der noch radikaleren Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) an, die wiederum später in der AQIM aufgehen sollte.

Zuletzt soll Belmokhtar mehrere hundert Kämpfer befehligt haben. Ausgerüstet mit schnellen Allrad-Fahrzeugen ist seine Truppe extrem mobil. Sie soll für Anschläge auf Ziele in Niger, Mali, Mauretanien, Algerien und Libyen verantwortlich sein. In dem Wüstengebiet verfügen die Kämpfer über beste Ortskenntnisse und können die Ländergrenzen ohne Schwierigkeiten überqueren. Zudem sichern sie sich die Unterstützung der örtlichen Bevölkerung, indem sie diese an Einnahmen aus Überfällen und Geiselnahmen beteiligen. Seit 2003 hat Belmokhtar mit zahlreichen Entführungen westlicher Ausländer Lösegelder in Millionenhöhe eingenommen. 2007 töteten seine Kämpfer vier Franzosen, um ihre Entschlossenheit zu beweisen. Außerdem gehören Belmokhtars Männer zu den größten Zigarettenschmugglern in Afrika - daher der Spitzname "Mister Marlboro".

Weiterer Extremistenführer getötet

Erst am Freitag hatte der Tschad den Tod eines anderen wichtigen Islamistenführers in Mali gemeldet. Der aus Algerien stammende Extremist Abdelhamid Abou Zeid sei am 22. Februar ebenfalls im Ifoghas-Gebirge im Nordosten Malis von tschadischen Soldaten getötet worden, sagte Präsident Idriss Déby Itno. Die Regierungen in Mali, Frankreich und Algerien bestätigten die Angaben zunächst nicht.

Französische Truppen führen seit Mitte Januar einen Militäreinsatz gegen Islamisten in Mali. Unterstützt werden sie vor allem von rund 2000 Soldaten aus dem Tschad. Die Kämpfe konzentrieren sich derzeit auf das Ifoghas-Gebirge, wohin sich islamistische Gruppen zurückgezogen haben.

lei/syd/AFP/Reuters

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