Kampf gegen Aufständische Syrische Armee riegelt Vorort von Damaskus ab

Die Opposition berichtet von Scharfschützen auf den Dächern, Schüsse sollen gefallen sein: Das syrische Militär hat im Kampf gegen regimekritische Demonstranten den Ort al-Moadhamija von der Außenwelt abgeschnitten. Auch in anderen Teilen des Landes kam es zu Zwischenfällen.


Damaskus/Istanbul - Die syrische Armee geht weiter massiv gegen Aufständische vor. Am Montag riegelte das Militär eine Ortschaft ab, in der es zuvor Demonstrationen gegen das Regime gegeben hatte. Oppositionelle berichteten, auf den Dächern der Häuser von al-Moadhamija, einem südwestlichen Vorort von Damaskus, stünden Scharfschützen.

Augenzeugen hätten eine schwarze Rauchwolke über dem Ort gesehen und Schüsse gehört. Einige Einwohner seien durch Gärten und Felder in die Nachbarortschaft Darja geflüchtet. Soldaten und Angehörige von Spezialeinheiten hätten zahlreiche Menschen festgenommen. Außerdem wurden Strom- und Telefonnetze gekappt.

Auch in anderen Teilen des Landes kam es zu Zwischenfällen. In der im Osten Syriens gelegenen Stadt Deir al-Sor töteten Sicherheitskräfte nach Angaben eines Augenzeugen am Sonntagabend zwei Unbewaffnete, die an einer Demonstration teilnahmen. Die Leichen könnten nicht geborgen werden, da weiterhin geschossen werde, sagte der Anwohner des Bezirks Old Airport der Nachrichtenagentur Reuters.

Deir al-Sor ist das Zentrum der syrischen Ölproduktion. In der Stadt hatte es Augenzeugen zufolge zuletzt wiederholt Proteste gegeben, nachdem Sicherheitskräfte vier Demonstranten getötet hatten.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtet dagegen von Übergriffen der Aufständischen. Zehn Arbeiter seien in der Nähe der Stadt Homs angegriffen und getötet worden. Die Männer hätten im Libanon gearbeitet und seien auf dem Weg in ihre Heimatstadt Homs gewesen. Sie wurden laut Sana Opfer einer "bewaffneten Bande".

Ein Oppositioneller bezweifelte den Wahrheitsgehalt dieses Berichts. Er sagte der Nachrichtenagentur dpa in Beirut: "Wer würde es denn wagen, auf einen Bus zu schießen, während Hunderte Soldaten in den Straßen stehen?"

Erste Sanktionen gegen Damaskus verhängt

Seit Beginn der Proteste am 18. März starben nach Informationen syrischer Menschenrechtsbeobachter 631 Zivilisten und mehr als 120 Angehörige der Sicherheitskräfte.

Die Proteste richten sich gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Als Reaktion auf die brutale Unterdrückung der Opposition verhängte die Europäische Union Sanktionen gegen Vertraute aus dem Umfeld Assads, nicht aber gegen den syrischen Staatschef selbst.

Die USA begrüßten den Schritt. Zugleich drohte Washington mit weiteren Sanktionen: Zusammen mit den internationalen Partnern werde man "zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um unsere starke Ablehnung des Umgangs der syrischen Regierung mit ihrem Volk deutlich zu machen", sollte Damaskus an dem brutalen Vorgehen festhalten.

jok/dpa/Reuters



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