Kampf gegen den Terror Frankreich plant Verstärkung der Afghanistan-Truppen

Frankreichs Staatspräsident Sarkozy will ein Scheitern des Afghanistaneinsatzes mit aller Macht verhindern. In Kürze will er darüber entscheiden, ob sein Land Verstärkung für die Truppen am Hindukusch schickt. Dutzende Ausbilder sind bereits unterwegs.


Kabul - Frankreichs Anstrengungen sollen nicht vergebens sein: Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat heute bei einem Kurzbesuch in der afghanischen Hauptstadt Kabul vor einem Scheitern des westlichen Engagements am Hindukusch gewarnt. Afghanistan dürfe nicht zum gescheiterten Staat werden, sagte Sarkozy nach einem Gespräch mit Präsident Hamid Karsai vor mitreisenden Journalisten. Sarkozy war am frühen Morgen zu seinem ersten Afghanistan-Besuch seit Amtsantritt im Mai eingetroffen und hatte das Land nach sechsstündigem Aufenthalt wieder verlassen. Am Nachmittag traf Australiens neuer Premierminister Kevin Rudd zu einem Überraschungsbesuch in Kabul ein.

"Dies ist ein Krieg gegen Terrorismus, gegen Fanatismus. Den können und dürfen wir nicht verlieren", mahnte Sarkozy. "Deshalb ist es wichtig, dass wir beim Aufbau eines legitimen, modernen und demokratischen afghanischen Staates helfen." Die Sicherheitslage in dem Land am Hindukusch verschlechtert sich zusehends. Allein in diesem Jahr kamen bei den militärischen Auseinandersetzungen in Afghanistan fast 6000 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Aufständische. Aber auch tausend afghanische Sicherheitskräfte und mehr als 200 ausländische Soldaten wurden getötet.

Sarkozy sagte, eine Entscheidung darüber, ob die Anzahl der französischen Truppen aufgestockt würde, werde in den kommenden Wochen gefällt. Frankreich hat seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban Ende 2001 Soldaten in dem Land stationiert, vor allem in der relativ sicheren Hauptstadt Kabul. Derzeit sind etwa 1900 französische Soldaten in Afghanistan. Nato-Partner haben wiederholt an das Land appelliert, auch Kräfte in den Osten und Süden zu entsenden, wo die Taliban-Kämpfer besonders aktiv sind.

"Wir sind hier, um den afghanischen Behörden beim Kampf gegen Drogenhändler, die Taliban und al-Qaida zu helfen", sagte Sarkozy, der am Morgen auch mit dem Oberkommandierenden der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf, US-General Dan McNeill, zusammengetroffen war. Der Präsident versprach, dass sich Frankreich stärker an der Ausbildung der afghanischen Soldaten beteiligen werde. In den kommenden Tagen werden 60 neue französische Ausbilder in Afghanistan erwartet. Paris will auch 50 Ausbilder in die umkämpfte südliche Provinz Urusgan entsenden.

Bei einem Mittagessen mit Soldaten des französischen Afghanistan-Kontingents nannte Sarkozy den Aufbau einer eigenständigen afghanischen Armee den "Schlüssel zum Erfolg der internationalen Gemeinschaft". Der Präsident gedachte auch der 14 französischen Soldaten, die seit Beginn des Einsatzes gefallen sind. "Ihre Opfer dürfen nicht umsonst sein, dafür setze ich mich ein", sagte Sarkozy. Derzeit sind rund 1600 französische Soldaten im Rahmen der Isaf-Mission in Afghanistan stationiert.

Der Präsident wurde bei seiner Kurz-Visite von Verteidigungsminister Hervé Morin und der Staatssekretärin für Menschenrechtsangelegenheiten, Rama Yade, begleitet. Außenminister Bernard Kouchner, der aus Indien angereist war, stieß am Flughafen von Kabul ebenfalls zu Sarkozys Delegation. Auf dem Rückflug wollte der Präsident eine eineinhalbstündige Zwischenlandung in Duschanbe im Nachbarland Tadschikistan einlegen, um dort französische Militärs zu treffen, die am Afghanistan-Einsatz beteiligt sind.

Rudd bekräftigte nach einem Treffen mit Karsai bei einer Pressekonferenz, dass Australien sich für Wiederaufbau und Stabilität in Afghanistan einsetzen werde. Karsai begrüßte den Besuch des neuen australischen Regierungschefs und dankte dem Land für seinen Einsatz. Zuvor hatte Rudd nach eigenen Angaben australische Einheiten in der Provinz Urusgan besucht. Australien beteiligt sich mit rund 900 Soldaten am ISAF-Einsatz.

ffr/AFP/Reuters



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