Kampf gegen Erderwärmung Blair soll die Klimakatastrophe stoppen

Tony Blair im Einsatz gegen den Klimawechsel: Der frühere britische Premier soll ein internationales Team anführen, das den Kampf gegen die Erderwärmung aufnehmen soll - mit Unterstützung der USA und Chinas.

London - Tony Blair ist sich sicher, dass er helfen kann, die Erde zu retten. Der frühere Premierminister Großbritanniens soll im Kampf gegen den Klimawechsel ein Abkommen vorbereiten, dass die Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent reduzieren. Dafür habe er die Unterstützung der USA, der Uno, der EU und Chinas, berichtet der "Guardian". Vor allem Washington und Peking gelten nach wie vor als Klimasünder.

Blair berichtet der britischen Zeitung, er arbeite seit vergangenem Sommer, also seit er nicht mehr Premier ist, mit einer internationalen Gruppe von Klimaexperten zusammen. Noch in diesem Sommer werde er der G8-Gruppe der führenden Industrienationen einen Zwischenbericht vorlegen. Eine Reduzierung der Treibhausgase um 50 Prozent bis 2050 sei ein "zentraler Punkt" des Arbeitspapiers, berichtet Blair. "Wir brauchen ein ernsthaftes weltweites Abkommen, und dafür brauchen wir die Unterstützung aus den USA und China", wird er zitiert. Zu dem Expertenteam gehören Wissenschaftler aus China, Japan, den USA und Europa. Auch der britische Ökonom Sir Nicolas Stern ist dabei, der 2006 einen Aufsehen erregenden Bericht zur Klimakatastrophe veröffentlichte.

Die Welt habe noch weniger als zwei Jahre Zeit, um sich auf das Abkommen zu einigen - danach müsse akzeptiert werden, dass die Erderwärmung nicht mehr zu stoppen sei. Blair soll eine Schlüsselrolle spielen, um die US-Regierung zu überzeugen, dass sie sich an dem Kampf zur Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen beteiligen müsse. Es gebe zwar eine Menge Ideen gegen den Klimawandel, aber er frage dann, wie viele politisch durchsetzbar seien, wird Blair im "Guardian" zitiert. Deshalb sehe er seine Aufgabe in dem Team darin, dies zu ändern.

Blair will das Projekt bereits am Wochenende in Japan vorstellen, wenn er sich in Tokio mit Ministerpräsident Yasuo Fukuda trifft, der zurzeit Vorsitzender der G8 ist.

Um den Kampf gegen den Klimawandel geht es auch beim EU-Gipfel in Brüssel. "Wir müssen Entscheidungen treffen, um die Klimaziele der Gemeinschaft zu erreichen", sagte der slowenische EU-Ratspräsident Janez Jansa gestern in Brüssel. Nur so könne die EU ihre führende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel verteidigen. "Wir müssen uns bis Ende 2008 verständigen und spätestens Anfang 2009 Entscheidungen festmachen", betonte er am Ende des ersten Tages des EU-Frühjahrsgipfels.

Die EU hatte vor einem Jahr unter deutscher Präsidentschaft ein Klimapaket geschnürt, dessen Details bei der Umsetzung indes bis heute umstritten sind. So kämpft Deutschland für die Belange seiner Autoindustrie, deren überdurchschnittlich schwere Modelle mehr Kohlendioxid produzieren als die Kleinwagen von Herstellern in Frankreich oder Italien. "Ich setze mich ganz speziell für die Arbeitsplätze in der Autoindustrie in Deutschland ein", sagte Kanzlerin Angela Merkel.

Die EU hatte sich darauf verständigt, den Flottenausstoß bei Neuwagen auf 120 Gramm CO2 pro Kilometer zu beschränken. Andernfalls drohen Strafzahlungen für die Autokonzerne. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass Kleinwagenhersteller die technischen Möglichkeiten zum Umweltschutz bei der von der Kommission geplanten Regelung nicht ausschöpfen müssten.

Deutschland setzt sich ferner mit sieben weiteren Mitgliedstaaten für den Schutz der Stahl-, Aluminium- oder Zementindustrie ein, die auch nach dem Auslaufen des Kyoto-Vertrages 2012 weiterhin gratis CO2-Verschmutzungsrechte zugeteilt bekommen sollten. Die EU erwägt, diese wie bei den Energieversorgern ab 2012 zu verkaufen. Bisher ist geplant, im Jahr 2011 darüber eine Einigung zu erreichen. Deutschland will schon 2009 einen Beschluss herbeiführen, um den Firmen Sicherheit bei Investitionen zu geben.

Die Gemeinschaft will ihren CO2-Ausstoß bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 20 Prozent reduzieren. Falls ein internationales Abkommen mit verbindlichen Senkungszielen zustande kommt, sollen es 30 Prozent sein.

als/Reuters